Die Erderwärmung macht auch vor kleinen Waldbewohnern nicht Halt. Den Siebenschläfern im Wienerwald setzt das veränderte Klima deutlich zu. Eine Langzeitstudie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt nun: Vor allem junge Tiere kämpfen mit den neuen Bedingungen.
Seit 2006 beobachten Forscher rund um Lukas Hochleitner die Population tief im Wienerwald. Über 17 Jahre hinweg dokumentierten sie mehr als 2.500 Tiere, die in Nistkästen leben, die eigentlich für Vögel gedacht sind. Mithilfe von Mini-Chips konnten die Wissenschafter den Zustand einzelner Tiere über Jahre hinweg engmaschig verfolgen.
Entscheidend für das Überleben der nachtaktiven Nager ist die sogenannte Buchenmast – Jahre, in denen Buchen besonders viele Bucheckern tragen. Vor allem Jungtiere sind auf diese fettreiche Nahrung angewiesen. In der Zeit zwischen Geburt und erstem Winterschlaf decken sie damit rund 90 Prozent ihres Energiebedarfs. So können sie rasch an Gewicht zulegen.
Doch genau hier liegt das Problem: Mit den steigenden Durchschnittstemperaturen hat sich das Muster der Mastjahre seit 1976 stark verändert. Früher folgten auf zwei bis drei ertragreiche Jahre mehrere magere. Inzwischen wechselt sich gutes und schlechtes Angebot beinahe jährlich ab.
An den alten Rhythmus hatten sich die Tiere über lange Zeit angepasst, mit dem neuen Zwei-Jahres-Muster kommen sie überraschend deutlich schlechter zurecht, sagt der Wissenschafter: "Sie können sich nicht schnell genug darauf einstellen".
Besonders betroffen sind sogenannte Jährlinge – also geschlechtsreife, aber noch nicht vollständig ausgewachsene Tiere. Sie müssen Energie gleichzeitig in Wachstum und Fortpflanzung stecken. In Jahren mit wenig Bucheckern sinkt ihre Überlebensrate signifikant.
Erwachsene Tiere kommen mit Engpässen hingegen besser zurecht, ihre Gesamtüberlebensrate blieb stabil.
Die im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlichte Untersuchung zeigt, wie sensibel das Zusammenspiel zwischen Bäumen und ihren Samenfressern auf klimatische Veränderungen reagiert.
Die große Befürchtung: Durch den Klimawandel könnte das System zusammenbrechen und Mastjahre komplett ausbleiben. Durch weiter steigende Durchschnittstemperaturen in Kombination mit weniger Regen könnte sich nämlich die Energieversorgung im Baum selbst so verändern, dass sich keine Mastjahre mehr ausgehen, erläutert Hochleitner.
Wie es dann für die Siebenschläfer weitergehen wird, ist jetzt noch nicht abzuschätzen. Noch knabbern sie an Bucheckern...