Viele glauben: Je öfter und länger du sportelst, desto fitter und älter wirst du. Doch so einfach ist es nicht. Eine aktuelle Beobachtungsstudie stellt diese Annahme auf den Kopf.
Die Forscher haben dafür die Daten von über 135.000 Erwachsenen aus Europa und den USA ausgewertet, die mehrere Jahre lang Aktivitätstracker getragen haben. Berücksichtigt wurden auch Faktoren wie Vorerkrankungen, Alter und Körpergewicht. Die Teilnehmer wurden im Schnitt acht Jahre lang beobachtet.
Das wichtigste Ergebnis: Schon fünf Minuten mehr zügiges Gehen pro Tag – das entspricht etwa 4,8 bis 7,2 km/h – bringen rund zehn Prozent weniger Todesfälle.
Besonders profitieren Menschen, die sich bisher kaum bewegt haben. Bei ihnen zeigte sich schon mit fünf Minuten mehr Bewegung ein deutlicher Effekt: etwa sechs Prozent weniger Todesfälle. Die Studie zeigt zwar einen Zusammenhang, beweist aber keine direkte Ursache.
Grundsätzlich gilt: Je mehr du dich bewegst, desto mehr senkst du dein vorzeitiges Sterberisiko. Die Art der Bewegung ist dabei gar nicht so wichtig – entscheidend ist die Intensität. Moderat bis zügig soll es sein. Erwachsenen wird empfohlen, pro Woche 150 bis 300 Minuten moderat aktiv zu sein, verteilt auf mehrere Tage.
Das heißt: Bewegst du dich viermal pro Woche, sollten es pro Einheit etwa 40 bis 75 Minuten sein. Verteilst du das Ganze über die ganze Woche, reichen schon 20 bis 40 Minuten täglich. Klingt viel? Eigentlich nicht. Denn als moderate Bewegung zählen nicht nur zügiges Gehen oder normales Fahrradfahren, sondern auch Tätigkeiten im Haushalt wie Putzen.
"Jede Bewegung zählt, und sobald man mit irgendeiner Aktivität beginnt, gibt es viele unterschiedliche physiologische Veränderungen im Körper", sagt Studienleiter Ulf Ekelund. Das Immunsystem kann profitieren, das Risiko für Entzündungen sinkt und auch der Blutdruck kann sich verbessern. "All diese Veränderungen sind mit einem geringeren Risiko für schwere chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs verbunden, die die Haupttodesursachen in westlichen Gesellschaften sind".
Laut Ekelund können schon kleine, realistische Veränderungen im Alltag – vor allem bei Menschen, die bisher wenig aktiv waren – der Gesundheit ordentlich auf die Sprünge helfen. "Verhaltensänderungen sind immer schwierig, und körperliche Aktivität ist da keine Ausnahme", sagt Ekelund. "Es ist schwierig, aber wenn man es schrittweise aufbaut und langsam startet, kann es sich lohnen. Und wer bereits aktiv ist, sollte einfach aktiv bleiben."