Bestimmte PFAS-Chemikalien stehen im Verdacht, die biologische Alterung zu beschleunigen – vor allem bei Männern mittleren Alters. Eine neue Studie zeigt: Zwei bislang weniger beachtete Stoffe – Perfluornonansäure (PFNA) und Perfluoroctansulfonamid (PFOSA) – könnten riskanter sein als gedacht. Höhere Konzentrationen dieser Stoffe standen bei Männern im Alter von 50 bis 64 Jahren in deutlichem Zusammenhang mit einer schnelleren biologischen Alterung. Bei Frauen zeigte sich dieser Effekt nicht. Die Studienergebnisse wurden in Frontiers in Aging veröffentlicht.
PFAS – oft auch "Forever Chemicals" genannt – sind künstlich hergestellte Chemikalien, die extrem langlebig sind. Sie stecken unter anderem in Antihaft-Pfannen, wasserabweisender Kleidung, Lebensmittelverpackungen, Feuerlöschschaum oder Reinigungsmitteln. Weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen, werden sie weltweit in Wasser, Böden und sogar im menschlichen Körper nachgewiesen.
Einige dieser Stoffe stehen bereits im Verdacht, Krebs, Hormonstörungen, Unfruchtbarkeit oder Fettleibigkeit zu begünstigen. Nun deutet eine neue Studie darauf hin, dass bestimmte PFAS auch die biologische Alterung beschleunigen könnten.
Forscher der Shanghai Jiao Tong University analysierten Daten von 326 älteren Erwachsenen aus einer US-Gesundheitsstudie (NHANES). In deren Blut wurden die Konzentrationen von elf verschiedenen PFAS gemessen. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler sogenannte epigenetische Marker – also Veränderungen im Erbgut, die Hinweise auf das biologische Alter geben.
Das Ergebnis: Zwei PFAS-Verbindungen – Perfluornonansäure (PFNA) und Perfluoroctansulfonamid (PFOSA) – waren bei 95 Prozent der Teilnehmer nachweisbar. Höhere Konzentrationen dieser Stoffe standen bei Männern im Alter von 50 bis 64 Jahren in deutlichem Zusammenhang mit einer schnelleren biologischen Alterung. Bei Frauen zeigte sich dieser Effekt nicht.
Die Forscher vermuten, dass das mittlere Lebensalter eine besonders empfindliche Phase ist, in der der Körper anfälliger für schädliche Umwelteinflüsse wird. Außerdem könnten Lebensstilfaktoren wie Rauchen die negativen Effekte zusätzlich verstärken – und Männer sind davon statistisch häufiger betroffen.
Andere bekannte PFAS-Stoffe wie PFOS oder PFOA zeigten in dieser Untersuchung keinen Zusammenhang mit beschleunigter Alterung. Das deutet darauf hin, dass nicht alle PFAS gleich wirken – und neuere Ersatzstoffe nicht automatisch sicherer sind.
PFNA und PFOSA werden seit den 1950er- und 1960er-Jahren eingesetzt. Sie sind wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie hitze- und korrosionsbeständig – Eigenschaften, die sie für Industrie und Konsumprodukte attraktiv machen. Gleichzeitig gelten sie als persistent und bioakkumulierbar, das heißt: Sie reichern sich im Körper an.
Die Studienautoren fordern deshalb, bestehende Regulierungen nicht nur auf bekannte PFAS zu beschränken, sondern auch neuere Varianten stärker zu berücksichtigen. Frankreich hat bereits ein Verbot von PFAS in Kleidung und Kosmetika beschlossen, auch die EU diskutiert weitere Einschränkungen.
Ganz vermeiden lassen sich PFAS im Alltag kaum. Experten raten jedoch, möglichst wenig stark verpackte Lebensmittel zu konsumieren und Fast-Food-Verpackungen nicht in der Mikrowelle zu erhitzen.