Duftdebakel

"Pilzinfektion in der Flasche" – Weleda erntet Kritik

Mit heftigen Worten reagieren User auf die Intimpflege-Produkte von Weleda: Duftstoffe, hohe Preise & medizinische Bedenken befeuern die Debatte.
Heute Life
26.02.2026, 12:00
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Mit der neuen Intimpflege-Linie "Vlora+" wollte Weleda eigentlich ein Bedürfnis bedienen, stattdessen traf das Traditionsunternehmen einen wunden Punkt. Kaum war die Produktreihe auf Instagram als "die Intimpflege, die du vermisst hast" beworben, brach im Netz ein Sturm der Entrüstung los. Der Vorwurf: Duftstoffe im sensibelsten Bereich des Körpers? Für viele ein absolutes No-Go.

Heftige Kritik auf Social Media

Zur neuen Linie gehören ein Waschgel, sogenannte "Soothing Drops" und ein Pflegeöl. Das Problem: In Waschgel und Drops sind Parfüm- und deklarationspflichtige Duftstoffe enthalten.

Unter dem Posting häufen sich Kommentare wie: "Parfum als Inhaltsstoffe gehen in dem Bereich für mich gar nicht", "Warum Duftstoffe?!?!?" oder "Keine Frau braucht überparfümierte Intimpflege". Neben den Inhaltsstoffen sorgt auch der Preis für Kopfschütteln: 9,95 Euro für das Waschgel, 16,95 Euro für die Drops – für manche zu viel für Produkte, die laut gängiger Empfehlung gar nicht nötig seien. Zwar gibt es auch positive Stimmen wie "Eben bestellt – freue mich schon!" oder "Finde ich super", doch die Kritik überwiegt deutlich.

Influencer zeigen sich entsetzt

Besonders laut wird es auf TikTok. Content Creator Leo zählt zu den Kritikern: In einem Video beschwert er sich über die Preise, das Parfüm und die Duftstoffe. In den Kommentaren wird es drastisch: "Ein DIY dafür, wie man sich möglichst schnell den pH-Wert komplett versaut" oder "Das Ganze ist also quasi Blasenentzündung und Pilzinfektion in der Flasche", schreiben TikTok-User.

Auch der bekannte Hautpflege-Influencer Leon kommentiert direkt unter dem Weleda-Post: "Wenn ich denke, Weleda würde nicht mit etwas noch Komischerem auf dem Markt erscheinen, überraschen sie einen immer wieder. Sehr teure und dazu stark beduftete Intimpflege? Alles, was Gynäkolog:innen nicht empfehlen."

Weleda selbst kontert: "Es gibt unterschiedliche fachliche Perspektiven auf Intimpflege, das ist uns bewusst." Das Unternehmen betont, die Linie sei gemeinsam mit Frauenärztin Sheila de Liz entwickelt worden und richte sich an Menschen, die sich im Alltag eine sanfte Intimpflege wünschen.

Das sagt Weleda zur Duft-Kritik

"20 Minuten" hat bei dem Kosmetikunternehmen nachgefragt, warum Parfüm verwendet wird. Alexandra Klotzbücher, Group Communications, erklärt: "Der Duft ist bewusst sehr zurückhaltend formuliert. Er unterstützt das Pflegegefühl, ohne die natürliche, eigene Duftnote des Körpers zu überdecken oder die Balance der Intimhaut zu beeinflussen." Die natürlichen Düfte seien niedrig dosiert: "Von den Produkten geht nach unserer Bewertung kein Sensibilisierungsrisiko aus", so Klotzbücher.

Weleda betont zudem, dass die Linie kein Muss sei: "Der weibliche Intimbereich ist selbstregulierend. Viele Frauen verwenden bewusst ausschließlich Wasser – und das ist völlig in Ordnung." "Unser Produkt richtet sich an alle, die sich für eine ergänzende Pflege entscheiden möchten, wenn Wasser allein für das persönliche Bedürfnis nicht ausreicht – als Option, nicht als Notwendigkeit."

Laut der Marke sind die Produkte dermatologisch und gynäkologisch getestet: "Das Wash ist mit einem Wert von 4,1 pH balanciert und die gesamte Linie ist mikrobiomfreundlich formuliert."

Die Ärztin hinter den Produkten

De Liz, die bei der Entwicklung der Produkte mitgearbeitet hat, erklärt in einem weiteren Beitrag, warum sie die neue Linie für sinnvoll hält: "Unsere Empfehlung als Ärztinnen, nur mit Wasser zu waschen, war ein Ergebnis von diesen schlechten Optionen." Sie wolle mit der Linie einen Gegenpol zu den bisherigen Angeboten schaffen, die einen Waschzwang der Vulva fördern könnten. Die Frauenärztin gibt offen zu: "Keiner will nur mit Wasser waschen, ich selbst ehrlich gesagt auch nicht."

Was andere Frauenärztinnen sagen

Fachleute empfehlen dennoch meist, den Intimbereich nur mit Wasser zu reinigen, um den empfindlichen pH-Wert nicht zu stören. Das bestätigt auch Johanna Janku, Gynäkologin, gegenüber "20 Minuten": "Bei einer gesunden Vulva braucht es nicht mehr als das. Spezielle Seife für den Intimbereich ist nicht nötig."

Wer das Gefühl hat, Wasser allein reicht nicht aus, kann laut Janku milde Produkte verwenden – aber nur, wenn sie "unbedingt parfümfrei sind und entweder pH-hautneutral oder einen leicht sauren pH-Wert haben, zwischen 4 und 5. Auch ätherische Öle oder aggressive Stoffe sollten nicht enthalten sein." Bei starker Schweißbildung, nach der Geburt, in den Wechseljahren oder bei Hautproblemen können solche Produkte laut Ärztin sinnvoll sein. Zu häufiges oder zu intensives Waschen begünstigt jedoch Pilz- oder bakterielle Infektionen.

Wer sehr empfindliche Haut hat, sollte besonders aufpassen: "Auch wenn Duftstoffe nur in kleinen Mengen enthalten sind, können Bestandteile wie Limonene, Coumarin oder Vanillin bei sensibler Haut Irritationen begünstigen", betont Nadja Pauli, Frauenärztin, im "20 Minuten"-Interview. Wer zu Reizungen oder Allergien neigt, sollte neue Produkte vorsichtig testen, sparsam anwenden und bei Brennen, Juckreiz oder Rötungen sofort pausieren.

Bei Pflegeölen wie jenen aus der Weleda-Linie sieht Janku das Ganze entspannter: "Davon können viele Frauen profitieren. Ähnlich wie Bodylotion oder Gesichtscreme können pflegende Öle etwa bei trockener Haut oder eingewachsenen Haaren hilfreich sein", so Janku gegenüber "20 Minuten". Granatapfelsamenöl und Vitamin E im Produkt bewertet sie positiv.

Eine Pflegeroutine kann außerdem helfen, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. Wichtig dabei: Pflegeprodukte immer nur außen anwenden und nie auf die Schleimhäute der Vulva geben.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.02.2026, 12:00
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