"Zwischen Körper und Geist"

Wie kohärentes Atmen die innere Balance stärken kann

Mit jedem Atemzug zu mehr Gelassenheit? Eine Wiener Gesundheitsexpertin verrät, warum diese "Breathwork"-Art uns besonders guttut.
Artiola  Zhabota
30.10.2025, 18:18
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In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, suchen viele Menschen nach einfachen Wegen, um zur Ruhe zu kommen. Eine Methode, die zunehmend Aufmerksamkeit in den sozialen Medien generiert, ist das kohärente Atmen. Dominique Scharax, Gesundheitscoach, Kinesiologin sowie Pilates- und Yogalehrerin, erklärt "Heute", was hinter "Coherent Breathing" steckt.

Doch kein neuer Wellness-Trend?

Während im Netz die Atemtechnik als "Wellbeing"-Trend tituliert wird, handelt es sich beim kohärentem Atmen um "eine natürliche, sehr ursprüngliche Form der Atmung, nur haben wir sie im modernen Alltag fast vergessen", erklärt Scharax. Wer kohärent atmet, verlangsamt seinen Atemrhythmus auf etwa fünf bis sechs Atemzüge pro Minute – das Ein- und Ausatmen erfolgt gleich lang. "Dadurch beginnen Herz, Gehirn und Nervensystem im gleichen Rhythmus zu schwingen. Diese 'Herz-Kohärenz' sorgt dafür, dass der Körper in einen Zustand von Balance kommt – Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung harmonisieren sich", verrät die Kinesiologin.

"Mini-Urlaub für das Nervensystem"

"Wenn wir kohärent atmen, aktivieren wir den Parasympathikus, also jenen Teil des Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration und Heilung zuständig ist. Gleichzeitig reguliert sich der Vagusnerv, der als Verbindung zwischen Körper und Gehirn fungiert", erläutert sie.

Wissenschaftlich lässt sich das über die sogenannte Herzfrequenzvariabilität (= HRV) erklären: "Eine höhere HRV zeigt, dass unser Nervensystem flexibel und resilient bei Stress bleibt. Kohärentes Atmen erhöht diese Variabilität und damit unsere Fähigkeit, ruhig zu bleiben, auch wenn es hektisch wird. Zusätzlich senkt die Atemtechnik nachweislich das Stresshormon Cortisol, verbessert die Konzentration und fördert auch noch emotionale Stabilität", betont die Kinesiologin.

"Move Mind Food"-Gründerin Dominique Scharax ist Expertin für Bewegung, Ernährung und Mindset.
vandiangga

In einer Welt, die aus Meetings, Deadlines und Bildschirmen besteht, kann kohärentes Atmen helfen, im Alltag sich zu erden: Wird zwei bis drei Minuten kohärent geatmet, beginnt das Nervensystem, sich zu regulieren. "Puls und Gedanken werden ruhiger und plötzlich entsteht wieder Raum, zwischen Reiz und Reaktion. Viele meiner Klienten erzählen mir, dass diese kurzen Atempausen ihr persönlicher 'Reset'-Knopf geworden sind. Kohärentes Atmen ist wie ein Mini-Urlaub für das Nervensystem, jederzeit abrufbar, ganz ohne App oder Equipment", meint die Yogalehrerin.

Pause von der digitalen Welt

Auf Social Media, vor allem auf TikTok, sprechen immer mehr Influencer über "Breathwork". Darüber wundert sich Scharax nicht: "Wir leben in einer Zeit, in der alles schneller, lauter und digitaler wird, da entsteht eine tiefe Sehnsucht nach etwas Echtem, Einfachen – etwas, was uns wieder mit uns selbst verbinden lässt. Zudem ist es ein Thema, das sich visuell schön darstellen lässt: ruhige Musik, sanfte Bewegungen, die innere Balance – all das spricht uns auf einer emotionalen Ebene an." Für sie ist kohärentes Atmen kein großer Social Media-Trend, sondern eher die Rückkehr zu etwas Ursprünglichem, das alle für sich gerade neu entdecken.

Wer mit der Atem-Methode durchstarten möchte, braucht dafür nur einige Minuten: "Setz dich bequem hin, leg eine Hand auf dein Herz und eine auf deinen Bauch. Atme fünf Sekunden durch die Nase ein, fünf Sekunden durch die Nase wieder aus, ruhig, gleichmäßig, ohne Druck. Mach das zwei bis fünf Minuten, am besten morgens oder zwischendurch", gibt die Gesundheitsexpertin abschließend als Tipp mit.

{title && {title} } AZ, {title && {title} } Akt. 30.10.2025, 20:07, 30.10.2025, 18:18
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