Gehirn austricksen

Tetris statt Therapie! Neue Studie verblüfft

Innerhalb eines Monats sank die Zahl belastender Erinnerungen drastisch. Forscher sprechen von einer überraschend wirksamen Methode.
Heute Life
26.02.2026, 12:08
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Das Videospiel Tetris könnte helfen, belastende Erinnerungen nach traumatischen Erlebnissen abzuschwächen. Eine neue Studie zeigt, dass die Zahl belastender Erinnerungen deutlich sinkt – und viele Betroffene nach sechs Monaten sogar symptomfrei sind.

Die Untersuchung befasst sich mit einem Kernsymptom der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS): ungewollten, lebhaften Erinnerungsbildern, die sich immer wieder ins Bewusstsein drängen. Diese sogenannten Flashbacks können den Alltag massiv beeinträchtigen und Betroffene emotional stark belasten.

Flashbacks gezielt "überlagern"

Psychische Traumata – etwa das Miterleben eines plötzlichen Todes oder Gewalterfahrungen – können über lange Zeit aufdringliche Erinnerungen auslösen. Diese treten oft als innere Bilder auf und tauchen unwillkürlich immer wieder auf.

Studienleiterin Emily Holmes, Professorin für Psychologie an der Universität Uppsala, erklärt: "Schon eine einzige flüchtige Erinnerung an ein früheres Trauma kann den Alltag massiv stören. Sie reißt die Aufmerksamkeit an sich und macht Betroffene den damit verbundenen Gefühlen ausgeliefert."

"Imagery Competing Task Intervention"

Die Idee hinter der neuen Methode mit dem Namen "Imagery Competing Task Intervention" (ICTI): Das Gehirn soll gezielt visuell beschäftigt werden, sodass belastende innere Bilder weniger Raum bekommen. Betroffene rufen sich ihre traumatische Erinnerung kurz ins Gedächtnis und spielen anschließend rund 20 Minuten Tetris. Das Spiel fordert das Gehirn visuell stark – die inneren Bilder des Traumas verlieren dadurch an Intensität. Getestet wurde die Intervention an Beschäftigten im Gesundheitswesen, die während der COVID-19-Pandemie traumatische Erfahrungen gemacht hatten.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Zahl der Flashbacks sank innerhalb von vier Wochen von durchschnittlich 14 auf nur noch eine pro Woche. Nach sechs Monaten hatten 70 Prozent der Teilnehmenden keine Flashbacks mehr.

Positive Effekte über Flashbacks hinaus

Die Forscher stellten fest, dass nicht nur die Zahl der Flashbacks sank. Auch allgemeine Symptome posttraumatischer Belastungsstörungen gingen zurück. Angstzustände, depressive Beschwerden und die alltägliche Funktionsfähigkeit verbesserten sich bereits innerhalb von vier Wochen – unabhängig vom ursprünglichen Schweregrad der Störung.
Die Intervention sei bewusst kurz, sanft und alltagstauglich gestaltet, so Holmes. Sie setze gezielt bei mentalen Bildern an – nicht bei sprachlicher Verarbeitung – und lasse sich flexibel in den Alltag integrieren.

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