Überraschende Auswirkung

Klimaforscher lösen lange unerklärliches Corona-Rätsel

In den Corona-Jahren ist der Methan-Gehalt in der Atmosphäre überraschend schnell angestiegen. Forscher konnten dieses Klima-Rätsel jetzt auflösen.
Newsdesk Heute
22.02.2026, 21:34
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Weniger Autos auf den Straßen, weniger Flugzeuge in der Luft und unzählige Fabriken geschlossen – die Corona-Pandemie hat das Leben vielerorts zum Stillstand gebracht. Damit sanken auch die Emissionen, der Himmel war deutlich sauberer. So schien es jedenfalls.

Denn während Schadstoffe wie Stickstoffdioxid zurückgingen, stellten Wissenschaftler jedoch überrascht fest, dass sich die Zunahme von Methan (CH4) in der Atmosphäre am Höhepunkt der Pandemie extrem beschleunigte.

Methan ist ein starkes Treibhausgas und gilt nach Kohlendioxid (CO2) als zweitgrößter Verursacher der Klimaerwärmung. Eine Tonne Methan kann trotz ihrer kürzeren Lebensdauer von etwa 10 Jahren in der Atmosphäre etwa 30 Mal mehr Wärme speichern als eine Tonne Kohlendioxid.

Zwischen 2020 und 2022 stiegen die globalen Konzentrationen so schnell wie nie zuvor. Das jährliche Plus erreichte einen Höchstwert von 16,2 Teilen pro Milliarde (ppb), bevor sie bis 2023 wieder auf 8,6 ppb zurückgingen.

Für einen kurzen Zeitraum war die Atmosphäre also weniger effizient bei der Beseitigung von Methan – gerade als die natürlichen Emissionen aus Feuchtgebieten unter ungewöhnlichen klimatischen Bedingungen stark anstiegen. Doch warum?

Veränderte Atmosphärenchemie

Jetzt hat ein internationales Forscher-Team den mutmaßlichen Auslöser rekonstruiert: "Die Ergebnisse deuten auf eine starke und vorübergehende Veränderung der Atmosphärenchemie als Hauptursache für den Methananstieg hin", sagt Philippe Ciais vom französischen Labor für Klima- und Umweltwissenschaften (LSCE). Er ist Hauptautor der Studie, die am 5. Februar 2026 in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde.

Im Mittelpunkt stehen sogenannte Hydroxyl-Radikale (OH) – hochreaktive Moleküle, die oft als "Reinigungsmittel" der Atmosphäre bezeichnet werden. Diese Radikale bauen normalerweise Methan ab und begrenzen so dessen Verweildauer in der Atmosphäre.

In den Jahren 2020–2021 sank jedoch der Gehalt an Hydroxyl-Radikalen weltweit. Denn mit der verminderten menschlichen Aktivität durch Corona-Lockdowns rund um den Globus ging auch der Ausstoß der für die HO-Bildung erforderlichen Bestandteile zurück.

Die Folge: Weniger Hydroxyl-Radikale in der Luft, die Atmosphäre konnte weniger Methan abbauen. Es reicherte sich daher ungewöhnlich schnell an. Laut der Studie lassen sich so rund 80 Prozent der Methan-Zunahme im Pandemie-Zeitraum erklären.

Fokus auf Feuchtgebiete

Gleichzeitig kommen die Autoren aber auch zu dem Ergebnis, dass Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Waldbränden nur eine untergeordnete Rolle bei diesem Ausschlag gespielt haben.

Isotopische Fingerabdrücke im atmosphärischen Methan deuten stattdessen stark darauf hin, dass mikrobielle Quellen – Feuchtgebiete, Binnengewässer und Landwirtschaft – die dominierenden Faktoren für die beobachteten Veränderungen sind.

Laut Einschätzung der Weltraum-Agentur ESA zeigen die Ergebnisse wichtige Lücken in den aktuellen Methanemissionsmodellen auf. Die Emissionen aus Feuchtgebieten seien in diesem Zeitraum unterschätzt worden. Die Autoren betonen dazu die Notwendigkeit einer besseren Überwachung solcher Ökosysteme. Satelliten gelten dabei als wichtigstes Instrument.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.02.2026, 21:34
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