Auch wenn derzeit eisige Temperaturen in großen Teilen Europas herrschen: Die Nordsee hat im Vorjahr einen traurigen Rekord aufgestellt: Mit 11,6 Grad war sie so warm wie noch nie seit Beginn der Messungen 1969. Das gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg bekannt. Schuld daran sei - der Klimawandel.
Die Durchschnittstemperatur lag demnach 0,9 Grad über dem Mittelwert von 1997 bis 2021. Besonders auffällig: In allen Monaten wurden überdurchschnittliche Werte gemessen, im Juni und Dezember sogar neue Höchststände. Am stärksten betroffen waren der Norden und die Mitte der Nordsee sowie der Übergang zur Ostsee.
Auch in der Tiefe wurde es wärmer: Der Wärmeinhalt der Nordsee kletterte auf 1,46 Millionen Petajoule - ein Rekordwert. Laut BSH erwärmte sich "die gesamte Wassersäule".
Ähnlich alarmierend ist die Entwicklung in der Ostsee. Mit 9,7 Grad war sie 2025 so warm wie nie zuvor - abgesehen von 2020. Besonders betroffen waren die südwestliche Ostsee und der Finnische Meerbusen, so die Forscher.
Zudem häufen sich marine Hitzewellen. In der Kieler Förde (D) dauerte eine Hitzewelle im Frühjahr satte 55 Tage - so lang wie noch nie. Die Folgen treffen Fische und andere Meeresbewohner mit voller Wucht.
Langfristig zeigt sich laut BSH ein klarer Trend: Beide Meere werden wärmer, die Ostsee sogar schneller. Modelle des BSH und des Dänischen Wetterdienstes zeigen: Ohne drastische Einschnitte bei den Emissionen wird die Erwärmung weitergehen - mit steigenden Meeresspiegeln.
Seit 1900 ist der Pegel in Cuxhaven (D) um mehr als 25 Zentimeter gestiegen, in Warnemünde (D) um knapp 20. Sturmfluten könnten deshalb künftig deutlich gefährlicher werden.
BSH-Präsident Helge Heegewaldt warnt: "Selbst, wenn wir sofort aufhören, Treibhausgase auszustoßen, steigt der Meeresspiegel noch über Jahrhunderte weiter." Jetzt sei der Moment, "mehr für den Klimaschutz zu tun". Fakt ist: Je wärmer die Meere, desto gefährlicher werden sie - nicht nur für Tiere, sondern auch für uns Menschen.