Besonders dreckiges Rohöl

Venezuela – Trumps Plan „katastrophal“ für die Umwelt

Umweltexperten warnen: Wenn die Ölproduktion in Venezuela erneut massiv hochgefahren wird, zahlen alle drauf - vor allem Klima und Umwelt.
Bernd Watzka
07.01.2026, 11:05
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US-Präsident Donald Trump drückt bei der globalen Ölförderung ordentlich aufs Gas - und nimmt nun Venezuela ins Visier. Nach der Festnahme von Nicolás Maduro will der US-Präsident die Produktion im ölreichsten Land der Welt aufdrehen. Sein Motto gilt auch hier: "Bohren, Baby, bohren!"

Besonders Kohlenstoff-intensives Rohöl

Doch was für Trump nach einem Coup klingt, könnte für die Umwelt zum Albtraum werden. Denn das südamerikanische Land produziert besonders dreckiges, Kohlenstoff- und Methan-intensives Rohöl. Experten schlagen Alarm: Sollte Venezuela wieder wie in den 1970er-Jahren rund 3,7 Millionen Barrel pro Tag fördern (mehr als das Dreifache des aktuellen Niveaus), wären die Folgen für das Klima katastrophal.

"Erhebliche Belastung der Atmosphäre"

Schon eine moderate Steigerung würde mehr Treibhausgase freisetzen (jährlich 550 Millionen Tonnen Kohlendioxid) als Großbritannien oder Brasilien pro Jahr ausstoßen, errechnete Politikwissenschafter Paasha Mahdavi von der University of California, Santa Barbara. Jede Ausweitung der Ölförderung sei "katastrophal für Klima und Umwelt" wäre, so Mahdavi.

"Wenn täglich Millionen Barrel neues Öl gefördert werden, wird das die Atmosphäre erheblich mit Kohlendioxid belasten, und das können sich die Menschen auf der Erde nicht leisten", warnt US-Klimaforscher John Sterman vom renommierten "Massachusetts Institute of Technology" (MIT).

Venezuelas Ölproduktion ist seit ihren historischen Höchstständen dramatisch gesunken – ein Rückgang, den Experten sowohl auf Misswirtschaft als auch auf die US-Sanktionen zurückführen. Im Jahr 2018 produzierte das Land nur noch 1,3 Millionen Barrel pro Tag – etwa die Hälfte der Menge, die es zu Beginn von Maduros Amtszeit 2013 produzierte, und etwa ein Drittel der Spitzenproduktion der 1970er-Jahre.

Hohe Kosten von mindestens 100 Mrd. Euro

Trump setzt auf Milliardeninvestitionen durch US-Ölkonzerne. Exxon, Chevron & Co. halten sich bislang aber bedeckt. Zu groß sind Risiko und Kosten. Laut Analysen brauche es umgerechnet mindestens 100 Milliarden Euro, um die Fördermengen bis zum Jahr 2030 auf das frühere Niveau zu bringen - und das bei prekärer Sicherheitslage und maroder Infrastruktur. Kritiker sprechen von fossilem Imperialismus und einem geopolitischen Spiel mit hohem Einsatz.

Venezuela als "Rohstoffkolonie"

"Die USA behandeln Lateinamerika wie eine Rohstoffkolonie", sagt Elizabeth Bast von der NGO Oil Change International. Auch Patrick Galey von Global Witness kritisiert: "Trumps Vorstoß ist ein weiterer fossiler Konflikt mit globalen Folgen." Fakt ist: Ob sich der gewaltsame, fossile Kraftakt überhaupt rechnet, ist fraglich - sicher ist nur: Die Erde wird einen hohen Preis zahlen.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 07.01.2026, 12:07, 07.01.2026, 11:05
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