"Kraft von Atombomben"

Hunga-Tonga-Eruption – Wetter weltweit beeinflusst

Der Vulkanausbruch von Hunga Tonga schleuderte 150 Megatonnen Wasserdampf in die Stratosphäre und veränderte das Weltklima für Jahre.
Bernd Watzka
09.02.2026, 08:54
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Eine Explosion mit globalen Folgen: Als der Unterwasservulkan Hunga Tonga im Jänner 2022 im Südpazifik ausbrach, war schnell klar, dass es kein gewöhnliches Naturereignis war. Mit einer Wucht von mehreren Hundert Atombomben schleuderte der Vulkan enorme Mengen an Wasserdampf bis in die höchsten Schichten der Atmosphäre.

160 Megatonnen Wasserdampf in Atmosphäre

Wie stark die Auswirkungen tatsächlich sind, zeigt nun der neue APARC-Report No. 11. An der Studie arbeiteten mehr als 150 Wissenschafter aus über 20 Ländern. Koordiniert wurde das Projekt vom Forschungszentrum Jülich im Rahmen des World Climate Research Programme.

Die Bilanz ist gewaltig: Bis zu 160 Megatonnen Wasserdampf und 420.000 Tonnen Schwefeldioxid gelangten in die Stratosphäre. Der Wasserdampfgehalt stieg dort weltweit um etwa zehn Prozent.

Stratosphäre kühlte stark ab

Besonders überraschend: Die Stratosphäre kühlte massiv ab. Matthias Stocker vom Grazer Wegener Center spricht von "erheblichen Veränderungen in der Atmosphäre". Satellitenmessungen zeigten eine Abkühlung von bis zu vier Grad Celsius, die bis Mitte 2023 anhielt. Diese Effekte setzen sich in noch höheren Luftschichten fort und könnten laut Forschern mehrere Jahre spürbar bleiben.

Schäden an der Ozonschicht

Klimaforscher warnen vor weiteren Folgen: Der hohe Wasserdampfeintrag beeinflusst die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre und deren Zirkulation. Möglich seien unter anderem Schäden an der Ozonschicht und eine Vergrößerung des antarktischen Ozonlochs.

Anders als bei früheren Vulkanausbrüchen war beim Hunga Tonga nicht Schwefel der Haupttreiber der Abkühlung, sondern der außergewöhnlich hohe Wasserdampfgehalt.

Druckwelle umrundete Erde viermal

Der Hunga-Tonga-Ausbruch 2022 war der stärkste jemals instrumentell gemessene Ausbruch und der heftigste seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Seine Druckwelle umrundete die Erde mindestens viermal und war sogar in Europa messbar. Neue Studien gehen davon aus, dass die Wasserdampf-Anomalie noch bis etwa 2030 in der Stratosphäre verbleiben könnte.

Fakt ist: Ein einziger Vulkanausbruch zeigt, wie verletzlich das Klimasystem ist - und wie lange die Folgen eines Naturereignisses die ganze Welt beschäftigen können.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 09.02.2026, 12:46, 09.02.2026, 08:54
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