Sie sind winzig, wenig bekannt - und können tödlich sein. Wissenschafter warnen immer dringlicher vor frei lebenden Amöben, einer Gruppe von Mikroorganismen, die durch Klimawandel und wärmere Gewässer zunehmend zur Gesundheitsgefahr werden.
Frei lebende Amöben sind einzellige Lebewesen, die keinen Wirt benötigen. Sie kommen natürlich im Boden und Wasser vor - von kleinen Pfützen und Teichen bis zu großen Seen. Besonders ist ihre Fähigkeit, ihre Form zu verändern. Mit sogenannten Pseudopodien (also "falschen Füßen") bewegen sie sich fort und überleben selbst unter extremen Bedingungen.
Die bekannteste und gefährlichste Art ist "Naegleria fowleri", besser bekannt als "hirnfressende Amöbe". Sie lebt in warmem Süßwasser, idealerweise bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad - also in hochsommerlich aufgeheizten Seen, Flüssen oder heißen Quellen. In kühleren Regionen war sie lange selten, doch das ändert sich zunehmend.
Die Infektion passiert nicht durchs Trinken, sondern wenn verunreinigtes Wasser beim Schwimmen durch die Nase eindringt. Von dort wandert die Amöbe ins Gehirn und zerstört Hirngewebe. Die Erkrankung verläuft fast immer tödlich - bis zu 99 Prozent der Betroffenen sterben.
In seltenen Fällen wurde die Amöbe auch im Leitungswasser entdeckt, vor allem wenn es warm und schlecht gechlort ist. Gefährlich kann das etwa bei Nasenspülungen werden. Wichtig: Von Mensch zu Mensch ist die Infektion nicht übertragbar.
Ein weiteres Problem: Diese Amöben sind extrem widerstandsfähig. Sie können sich in Biofilmen in Wasserleitungen verstecken, wo Desinfektionsmittel sie kaum erreichen. Bei Hitze bilden sie zudem Zysten - eine Art Schutzpanzer.
Wie kannst du dich schützen? Meide warme, stehende Gewässer. Bei heißem Wetter den Kopf nicht unter Seewasser tauchen, beim Schwimmen eventuell eine Nasenklammer tragen. Steige nur in gut gepflegte Pools. Sollten nach dem Kontakt mit Süßwasser starke Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit oder Nackensteifigkeit auftreten, geh sofort zum Arzt!
Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich. Wärmere Gewässer, längere Hitzesommer und mehr Badetage bedeuten mehr Kontakt zwischen Mensch und Amöbe. In mehreren Ländern gab es zuletzt Fälle nach dem Baden in Seen - das sorgt für wachsende Verunsicherung und Handlungsbedarf.