Wenn Du die Olympischen Winterspiele 2026 im Fernsehen verfolgst, wirken die Bilder perfekt: strahlend weiße Pisten, blitzsaubere Loipen, Athleten im Hochtempo. Doch was Du nicht siehst: In vielen Bewerben liegt fast ausschließlich Kunstschnee.
Vor allem in tieferen Lagen kämpfen Veranstalter und Sportler mit Regen, dünner Schneedecke und harten, maschinell erzeugten Untergründen. "Die meisten unserer Rennen finden auf Kunstschnee statt", sagt US-Langläuferin Rosie Brennan zum Mediennetzwerk "The Conversation". "Im Fernsehen schaut alles tief winterlich aus, aber die Realität ist oft eine andere."
Natürlicher Schnee entsteht langsam, jede Flocke ist einzigartig. Kunstschnee dagegen kommt aus Schneekanonen: Wasser und Druckluft gefrieren zu kleinen, dichten Eiskörnern. Das Ergebnis ist eine harte, gleichmäßige Oberfläche, die sich leichter präparieren lässt, aber deutlich schneller und eisiger ist.
Statistisch belegt: Auf Kunstschnee steigen die Geschwindigkeiten, Stürze werden gefährlicher. Langläufer haben keine Metallkanten wie Abfahrer, Kurven fühlen sich rutschig und kaum kontrollierbar an. "Diese Loipen bergen mehr Risiko, als man denkt", sagt Brennan. Auch das Verletzungsrisiko steigt, weil Stürze auf härterem Untergrund enden.
Dass immer öfter auf Kunstschnee gesetzt wird, hat einen klaren Grund: den Klimawandel. In den Alpen ist die Temperatur seit dem späten 19. Jahrhundert um rund zwei Grad gestiegen. Schnee fällt später, schmilzt früher, Regen ersetzt immer öfter den Wintereinbruch. Die Schneegrenze wandert Jahr für Jahr weiter nach oben.
Die Folgen spüren auch Trainingszentren. Gletscher, früher verlässliche Sommerskigebiete, werden unsicher. Selbst der Hintertuxer Gletscher musste 2025 erstmals vorübergehend zusperren. Athleten weichen in höhere Lagen aus, reisen weiter, trainieren teurer oder müssen auf Rollski ausweichen.
Fakt ist: Kunstschnee rettet Bewerbe, kostet aber viel Energie und Wasser. Für viele Sportler ist er das sichtbare Zeichen dafür, wie unberechenbar der Winter geworden ist. Und auch die Regionen leiden: Bleiben Gäste wegen Schneemangels aus, trifft das ganze Gemeinden.
Immer mehr Athleten erheben deshalb ihre Stimme und machen auf den Schutz der Winterlandschaft aufmerksam. Denn eines ist klar: Ohne echten Winter wird auch Olympia zur Kunstveranstaltung.