Uralte Königsstädte, lange Sandstrände, exotische Küche: Marokko ist für viele heimische Urlauber ein Traumziel. Doch derzeit herrschen dort dramatische Zustände. Nach tagelangen Starkregenfällen sind im Norden des Landes ganze Regionen überflutet.
Mehr als 140.000 Menschen mussten laut Innenministerium seit Ende Jänner evakuiert werden. Besonders betroffen ist die Provinz Larache. In der Stadt Ksar El Kebir, rund 100 Kilometer südlich von Tanger, stand das Wasser meterhoch. Bewohner, darunter Kinder und ältere Menschen, saßen auf Dächern fest und mussten teils mit kleinen Booten gerettet werden.
Auch die Provinz Sidi Kacem traf es schwer. Dort wurden über 10.000 Menschen in Sicherheit gebracht, einige sogar per Hubschrauber. Straßen, Felder und ganze Ortschaften versanken im Schlamm. Bilder zeigen verzweifelte Bewohner, die sich durch braunes Hochwasser kämpfen, vorbei an halb versunkenen Traktoren und Motorrädern.
Der nationale Wetterdienst warnt weiter vor Starkregen und heftigen Winden. Noch gibt es keine offiziellen Berichte über Todesopfer, doch die Lage bleibt angespannt. Besonders entlang des Flusses Oued Loukos wurden weitere Evakuierungen angeordnet, um Schlimmeres zu verhindern.
Das extreme Wetter trifft ein Land, das zuvor sieben Jahre unter massiver Dürre litt. Erst im Dezember kamen in der Stadt Safi 37 Menschen bei plötzlichen Überschwemmungen ums Leben - die tödlichste Naturkatastrophe dieser Art seit einem Jahrzehnt.
Doch nicht nur Marokko steht unter Wasser: Auch in Algerien und Tunesien haben Unwetter zuletzt Todesopfer gefordert. In Tunesien erlebte das Land die stärksten Regenfälle seit über 70 Jahren, mehrere Menschen werden noch vermisst.
Wie Marokko unter der Klimakrise leidet
Der globale Klimawandel trifft Marokko besonders stark. Lange Dürreperioden wechseln sich immer öfter mit extremen Regenfällen ab. Überschwemmungen zerstören Häuser, Felder und Infrastruktur. Gleichzeitig verschärfen Hitze und Wassermangel die Lage für Landwirtschaft und Bevölkerung. Auch Tourismus und Wirtschaft geraten zunehmend unter Druck.