Bis 2 Uhr früh debattierten am Donnerstag die Abgeordneten des Nationalrats, doch Staatssekretär Josef ("Sepp") Schellhorn fehlte dabei. Er war nämlich auf Reisen: In Ghana wollte das für Deregulierung zuständige Ministeriums-Mitglied ein "starkes Zeichen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe" setzen. Stichwort "Afrikastrategie".
Für Österreich ist der "demokratische Stabilitätsanker" Westafrikas auch auf einer migrationspolitischen Ebene relevant. Auf Schellhorns Reise stand aber Kunst und Kultur im Vordergrund. Denn in der Hauptstadt Accra wurde nun ein Österreichisches Kulturzentrum eröffnet.
"Kulturelle Begegnungen lassen beide Seiten wachsen. Sie schaffen Räume, in denen Vereinfachung endet und echtes Verstehen beginnt. Kultur ist kein Beiwerk der Diplomatie – sie ist ihr Fundament", so Schellhorn in seiner Eröffnungsrede. "Wo politische Debatten verhärten, bleibt Kultur oft der letzte Raum, in dem Dialog möglich ist. Kunst kann Brücken bauen, lange bevor Verträge unterschrieben werden."
Dieses neue Kulturforum soll eine Plattform für Austausch, Kooperation und gemeinsames Gestalten sein. Der ghanaische Vizeminister für Tourismus, Kultur und kreative Kunst fühlte sich geehrt, dass sich Österreich für Accra entschieden habe und sah darin ein Zeichen wachsender Freundschaft und gegenseitigen Vertrauens.
Schellhorn beschäftigte sich auch mit anderen Themenbereichen. So gab es politische Konsultationen und Gespräche mit Vertretern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Diese Gespräche stehen im Kontext der in Ausarbeitung befindlichen österreichischen Afrikastrategie, die auf Stabilität, Resilienz, wirtschaftliche Kooperation, Bildungszusammenarbeit und partnerschaftliche Migrationspolitik abzielt.
Darüber hinaus besucht der Staatssekretär Projekte der Austrian Development Agency (ADA), darunter Initiativen zur Verbesserung der Hörgesundheit von Neugeborenen sowie das Ausbildungsprogramm "Capacity Development for Humanitarian Assistance in West Africa" (HAWA), das seit 2013 humanitäre Kompetenz und Friedensarbeit in der Region stärkt.
"Diese Partnerschaft ist kein kurzfristiges Signal, sondern eine strukturelle Entscheidung. Österreich und Ghana begegnen einander als selbstbewusste Kulturnationen – auf Augenhöhe", so Schellhorn abschließend.