Die Reformpläne für die AHS-Oberstufe sorgen für einen Knalleffekt: Die sechsköpfige Lehrplangruppe für Latein legt ihren Auftrag zurück. In einer Aussendung ist von "grundlegende Auffassungsunterschiede mit dem Ministerium hinsichtlich der Ausarbeitung des neuen Lehrplans" die Rede.
Das Gremium war vom Bildungsministerium eingesetzt worden, um den Lehrplan an die geplante Kürzung von zwölf auf acht Wochenstunden anzupassen. Bis Ende April hätte ein fertiger Entwurf vorliegen sollen.
Hintergrund ist die geplante Neuordnung der Oberstufe. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will Informatik ausbauen und um Künstliche Intelligenz erweitern. Zusätzlich soll das Fach "Medien und Demokratie" eingeführt werden. Um Platz im Stundenplan zu schaffen, sollen – abhängig vom Schultyp – Latein oder die zweite lebende Fremdsprache reduziert werden.
Die Latein-Experten warnen, "gefährdet die faktische Reduktion des Faches in der gymnasialen Oberstufe die europäische Vergleichbarkeit sowie die Reputation Österreichs als Bildungsstandort". Latein drohe damit seine Stellung als zentrales Bildungsfach zu verlieren.
Im Ministerium reagiert man mit Unverständnis auf den Rückzug. Generalsekretär Alexander Huber verweist darauf, man habe "in den vergangenen Wochen sehr konstruktive Gespräche geführt". Es sei bedauerlich, "dass der Weg der konstruktiven Zusammenarbeit so abrupt verlassen wurde". Die "Arbeitsverweigerung der Arbeitsgruppe Latein" sei für ihn "nicht nachvollziehbar", werde die Erarbeitung neuer Lehrpläne aber nicht stoppen.
An der Reform und am Zeitplan halte man fest, die Lehrpläne sollen mit anderen Expertinnen und Experten ausgearbeitet und 2027/28 in Kraft treten. Huber betont, "Unsere Schülerinnen und Schüler werden mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Es ist Verantwortung der Schule, sie bestmöglich auf das Leben vorzubereiten."
Deshalb brauche es "dringend das neue Schulfach „Medienbildung und Demokratie", sowie Informatik um den Bereich "KI" erweitert werden muss“. Klar sei auch: "Wenn wir neue Fächer einführen, dann muss auf der anderen Seite auch etwas wegfallen. Das ist unsere Verantwortung gegenüber den Schülerinnen und Schülern."