Zwei Stunden Latein statt wie bisher drei in der Oberstufe der Gymnasien – dafür soll es künftig Unterricht zu Künstlicher Intelligenz oder Demokratie geben. Mit diesem Vorschlag kann Nina Aringer vom Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein an der Uni Wien wenig anfangen.
Im Gespräch mit "Wien heute" sagt sie: "Ich bin ein großer Fan dieser Inhalte, aber die in alle Fächer zu implementieren, erscheint mir deutlich sinnvoller als ein aus dem Boden gestampftes Schulfach, wo es noch keinen Lehrplan und noch keine adäquate Ausbildung gibt."
Laut ORF hat Aringer selbst am aktuellen Latein-Lehrplan mitgearbeitet. Sie meint, neue Fächer müssten mehr bieten als nur Theorie.
"Wenn das keine theoretische Wolkenschieberei sein soll, dann muss man das an Beispielen festmachen. Das müssen Lehrkräfte sein, die diese Beispiele verstehen können, damit die Schülerinnen auch in die Tiefe gehen. Nicht nur in meinen Fächern, sondern etwa auch in künstlerischen Fächern oder Mathematik oder den anderen Sprachfächern."
Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz stellt Aringer gar nicht in Frage. "Wir verwenden KI für Recherche, um Übersetzungsqualität zu vergleichen, um die Chancen dieser Technologie an der Textarbeit zu sehen."
Auch Demokratiebildung, wie sie von Bildungsminister Christoph Wiederkehr vorgeschlagen wurde, ist im Latein-Unterricht bereits ein Thema – dort geht es nämlich auch um die Entstehung demokratischer Staaten.
Gerade mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen weltweit sieht Aringer, wie wichtig Latein-Unterricht ist. "Wir sehen, wie viel sich dem ähnelt, was wir aus Latein und auch aus Griechisch kennen – dass eine reiche Minderheit eine nicht informierte Mehrheit mit populistischen Tendenzen manipulieren kann. So etwas sehen wir ganz exemplarisch im römischen Reich oder in der attischen Demokratie. Das Sterben einer Demokratie oder der Verfall einer republikanischen Verfassung – da können wir von den alten Griechen und den alten Römern sehr viel lernen, die Menschen haben sich seitdem nicht viel geändert."