Brennpunkt Schule

"Es ist ihnen egal!" – Schüler können kein Deutsch

Eine junge Pädagogin in Wien ist frustriert: Sie soll 24 Schüler unterrichten, doch ein großer Teil versteht sie zu schlecht.
Michael Pollak
22.01.2026, 15:48
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Viele wollen diese bittere Wahrheit nicht hören: An vielen Schulen ist das System längst gekippt – Unterricht ist unmöglich geworden. Eine Lehrerin einer Wiener Brennpunkt-Schule berichtet über katastrophale Zustände.

"An unserer ganzen Schule mit mehreren hundert Kindern gibt es nur drei Schüler mit Muttersprache Deutsch", sagt die junge, sehr engagierte Pädagogin zu "Heute". Sie möchte anonym bleiben, ihre Volksschule befindet sich unweit des Gürtels.

Tag für Tag steht sie vor 24 Kindern, versucht Wissen zu vermitteln. Doch es scheitert an den Deutschkenntnissen vieler Schüler, sie können meist nur wenige Worte auf Deutsch, "drei Viertel der Klasse unterhalten sich auf Arabisch." Besonders schlimm für die Lehrerin: "Ich unterrichte eine dritte Klasse und habe sechs Burschen drinnen, die bereits zweimal durchgefallen sind – in der Volksschule!" Das bedeutet: Diese 10 bis 11-Jährigen sitzen mit 8-Jährigen in der Klasse – in diesem Alter ein gewaltiger Unterschied.

Die Älteren unterscheiden sich stark von ihren Mitschülern: "Die sind viel größer als ihre Klassenkollegen, sie sind viel reifer, pubertieren, sie sind laut und dominant."

"Das ist für mich sehr frustrierend", sagt die 25-Jährige zu "Heute". Und weiter: "Die Sprachkenntnis vor allem dieser Buben ist deprimierend. Sie sollten in der dritten Klasse schon Texte schreiben können, ich bin aber froh, wenn sie einzelne Objekte benennen können."

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Auf Deutsch schaffen diese Buben, die eigentlich schon in der Mittelschule sitzen sollten, nur Mini-Sätze: "'Ich gehe Pause' oder 'Ich spiele Fußball' – mehr nicht." Sie haben, so die Lehrerin, kaum einen Wortschatz, Grammatik ist ihnen fremd. Im nächsten Jahr werden diese Kinder Schularbeiten schreiben müssen, "das werden die nicht schaffen", sagt die Lehrerin und steht vor einem großen Dilemma: Sollen die Buben ein drittes Mal in der Volksschule durchfallen?

Die Grafik zeigt den Anteil "außerordentlicher Schulanfänger" nach Bezirken – sie können nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht zu folgen.
istockphoto ("Heute"-Grafik)

Die Lehrerin ist frustriert: "Es ist ihnen egal, man bekommt nur zu hören, 'habe nicht gelernt', Bildung ist für sie – so scheint es – nur eine unangenehme Pflicht." Viele werden daheim nicht beim Lernen unterstützt, meist können die Eltern auch wenig Deutsch. "Ein Vater ist Analphabet, der Bub ist auf sich allein gestellt."

Um solche Situationen zu entschärfen, sollen Schüler, die zu schlecht Deutsch können, in den großen Ferien in die "Sommerschule". Allein in Wien sollen 10.000 Schüler verpflichtend im Sommer lernen, was sagt die Pädagogin dazu? "Dieses System ist gut, aber der Kurs dauert nur zwei Wochen. Wie soll eine Lehrperson den Schulstoff eines ganzen Jahres da nachholen?"

Am liebsten wäre der Lehrerin, dass es maximal zwei 'Problemschüler' pro Klasse gäbe, man sollte sie also auf mehrere Schulen aufteilen: "Das Kind hätte dann einen Anreiz sich dem höheren Niveau der restlichen Klasse anzupassen, mit diesem Gruppenzwang kann das funktionieren."

Was aber in Realität sehr häufig passiert: "Man entlässt sie mit vielen Vierern im Zeugnis in die Mittelschule – dann hat man das Problem abgegeben!"

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 22.01.2026, 17:41, 22.01.2026, 15:48
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