Heftige Wortgefechte im Wiener Rathaus: In der 8. Landtagssitzung stand die alarmierende Zahl im Zentrum, dass über 50 Prozent der Wiener Schulanfängerinnen als außerordentliche Schüler gelten, weil sie nicht ausreichend Deutsch können.
ÖVP-Abgeordneter Harald Zierfuß sprach von einer "Bankrotterklärung" der Stadt und warnte: "Mehr als die Hälfte der Schulanfänger in Wien kann nicht Deutsch." Besonders brisant: Viele der Kinder seien in Wien geboren. Zierfuß forderte eine komplette Neuaufstellung der Deutschförderung, eine Kindergartenpflicht ab drei Jahren für Kinder mit Sprachbedarf und deutlich mehr Sprachförderkräfte. An die NEOS gewandt, sagte er: "Sie verspielen die Zukunft unserer Stadt."
NEOS-Abgeordnete Dolores Bakos zeigte sich ebenfalls betroffen: Es sei "schockierend", dass die Hälfte der Schulanfänger kein Deutsch spreche. Deutsch sei eine "unverhandelbare Eintrittskarte in unsere Gesellschaft". Gleichzeitig verwies sie auf Personalmangel, Corona-Folgen und hohen Familiennachzug. Die Stadt habe das Problem erkannt: "Wir schauen nicht weg und haben das Problem nicht nur erkannt, sondern krempeln die Ärmel hoch."
Kritik kam auch von den Grünen Wien. Bildungssprecher Felix Stadler ortete ein politisches Totalversagen: "So ehrlich muss man sein: Das funktioniert einfach nicht." Besonders dramatisch sei, dass 80 Prozent der betroffenen Kinder bereits bis zu zweieinhalb Jahre im Kindergarten waren. Die Stadt lasse Kinder "durch fehlende Förderung im Stich".
SPÖ-Abgeordnete Astrid Pany warnte vor einfachen Lösungen. Sprachförderung müsse Teil aller Fächer sein, Deutschförderklassen würden "nicht funktionieren". Die Erstsprache dürfe nicht als "Hindernis" gesehen werden, Bildung sei "zu wichtig für politische Spiele".
ÖVP-Mandatar Lorenz Mayer legte nach und sprach von Kontrollversagen und Fördergeldmissbrauch. Die Stadt raube einer "ganzen Generation die Zukunft". In manchen Bezirken könnten nur wenige Kinder dem Unterricht folgen. Die Bildungsfrage werde zunehmend zur Wohnortfrage.