Der Schulstart wird für viele Kinder in Wien zur großen Hürde. Aktuelle Zahlen zeigen: Mehr als die Hälfte der Schulanfänger spricht nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht folgen zu können. In einzelnen Bezirken liegt der Anteil sogar bei rund 77 Prozent (Margareten).
Präsentiert wurden die Zahlen beim Hintergrundgespräch der Wiener Volkspartei. Für die ÖVP gehe es dabei längst nicht mehr nur um Schule, sondern um die Zukunft vieler Kinder – und um die Frage, welche Chancen sie später im Leben haben werden.
ÖVP-Wien-Chef Markus Figl fand dafür klare Worte. Kinder, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule starten, seien potenzielle "Mindestsicherungs-Empfänger von morgen". Wer dem Unterricht von Beginn an nicht folgen könne, habe es schwer, Bildungsabschlüsse zu erreichen und später einen Job zu finden.
Besonders kritisch sieht die ÖVP, dass es sich dabei großteils nicht um neu zugewanderte Kinder handelt. Viele der betroffenen Schüler sind in Österreich geboren und haben mehrere Jahre einen Kindergarten besucht. Trotzdem reichen ihre Deutschkenntnisse beim Schuleintritt nicht aus.
Wie sich das im Schulalltag auswirkt, erklärte Bildungssprecher Harald Zierfuß. In Klassen mit vielen Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse sei normaler Unterricht kaum möglich. Lehrer müssten viel Zeit damit verbringen, Inhalte zu erklären oder zu wiederholen.
"In manchen Klassen verstehen nur wenige Kinder den Lehrer wirklich", sagte Zierfuß. Das sei nicht nur für die betroffenen Kinder problematisch, sondern bremse den Unterricht für alle.
Die Zahlen zeigen auch starke Unterschiede innerhalb Wiens. Während in manchen Bezirken drei von vier Schulanfängern zu wenig Deutsch sprechen, ist die Lage in anderen Bezirken deutlich besser.
Wienweit starten jedoch über 50 Prozent der Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule. Für die ÖVP ist das ein Hinweis auf ein strukturelles Problem, das sich über Jahre aufgebaut habe.
Figl warnt davor, diese Entwicklung weiter hinzunehmen. Fehlende Deutschkenntnisse führten oft zu schlechteren Bildungschancen, geringeren Jobmöglichkeiten und später zu Abhängigkeit von Sozialleistungen.
"Wenn wir hier nicht gegensteuern, verlieren wir viele Kinder schon am ersten Schultag", so der ÖVP-Chef. Es brauche rasch wirksamere Maßnahmen, um Kinder frühzeitig sprachlich zu fördern.