Der Schulstart in Wien wird für immer mehr Kinder zur Hürde. Aktuelle Zahlen zeigen, dass ein großer Teil der Schulanfänger nicht ausreichend Deutsch spricht, um dem Unterricht folgen zu können. Besonders deutlich wird das im 5. Bezirk: In Wien-Margareten können 76,6 Prozent der Schulanfänger nicht gut genug Deutsch, viele verstehen den Lehrer kaum oder gar nicht. Im Vergleich aller Bezirke liegt Margareten damit an der Spitze.
Ein Blick auf die Bezirkszahlen zeigt: Margareten ist kein Einzelfall. In mehreren Bezirken liegt der Anteil der Schulanfänger ohne ausreichende Deutschkenntnisse bei rund 70 Prozent.
So können in Ottakring und der Brigittenau etwa sieben von zehn Kindern dem Unterricht nicht folgen. In Favoriten sind es knapp 70 Prozent. Auch in weiteren Bezirken liegt der Anteil deutlich über 50 Prozent. Wienweit starten mittlerweile mehr als die Hälfte aller Schulanfänger ohne ausreichende Deutschkenntnisse in die Schule.
Was diese Zahlen im Alltag bedeuten, erklärte Bildungssprecher Harald Zierfuß mit einem einfachen Beispiel. In einer durchschnittlichen Klasse mit 22 Kindern verstehen oft nur fünf Kinder den Lehrer ausreichend. Der Großteil spricht zu wenig Deutsch, um dem Unterricht folgen zu können.
"So wird normaler Unterricht immer schwieriger", sagte Zierfuß. Lehrer müssten viel Zeit darauf verwenden, Inhalte zu erklären oder zu wiederholen, statt neuen Stoff zu vermitteln.
Besonders auffällig: Es handelt sich großteils nicht um neu zugewanderte Kinder. Viele der betroffenen Schüler sind in Österreich geboren und haben mehrere Jahre einen Kindergarten besucht. Trotzdem reichen ihre Deutschkenntnisse beim Schuleintritt nicht aus.
ÖVP-Wien-Chef Markus Figl sieht darin ein strukturelles Problem. "Diese Kinder sind hier aufgewachsen, waren im Kindergarten – und können trotzdem dem Unterricht nicht folgen", sagte er.
Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt eine klare Entwicklung. 2020 lag der Anteil der Schulanfänger mit zu geringen Deutschkenntnissen noch bei rund 41 Prozent, mittlerweile sind es über 50 Prozent.
"Keine einzige Kennzahl ist besser geworden. Alles ist schlechter geworden", sagte Zierfuß. Margareten zeige besonders deutlich, wohin diese Entwicklung führen könne.
Nicht alle Bezirke sind gleich stark betroffen. In einigen inneren Bezirken liegt der Anteil deutlich niedriger. Der Unterschied zwischen einzelnen Bezirken zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangslage für Kinder in Wien ist.
Für die ÖVP ist Margareten deshalb kein Sonderfall, sondern ein Warnsignal für die gesamte Stadt. Ohne zusätzliche Maßnahmen drohe sich die Situation weiter zu verschärfen.