220 Euro-Hilfe weg

Reform-Chaos – Lehrer warten seit Wochen auf Geld

Gewerkschafter Thomas Krebs rechnet mit der Bildungs­politik von Bund und Stadt ab: Seit Wochen warten Lehrer auf einen "Kinderzuschuss" von 220 €.
Wien Heute
08.01.2026, 07:15
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Große Reform angekündigt, großes Chaos geliefert: Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) wollte die Schulen von Bürokratie befreien – doch laut Lehrer-Gewerkschafter Thomas Krebs ist genau das Gegenteil passiert. "Diese Verwaltungsreform schießt völlig daneben. Die echten Probleme werden nicht angegangen", kritisiert der Personalvertreter der Wiener LandeslehrerInnen scharf.

Ausgangspunkt der Reform war eine alarmierende Zahl: Über 30 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Schulleitungen mit Bürokratie. Doch statt sich mit Personen aus der Praxis auszutauschen, habe der Minister einen Alleingang hingelegt. Das Ergebnis: mehr Verwirrung, weniger Klarheit.

Wichtige Einmalzahlung gestrichen

Im vergangenen Sommer ließ das Ministerium 80 Prozent aller Erlässe und Rundschreiben streichen. Sozial brisante Themen seien der "Entsorgungswut" zum Opfer gefallen. So wurde das Rundschreiben zur einmaligen Geldaushilfe bei Geburt eines Kindes gestrichen. Um eine einmalige Zahlung von 220 Euro konnten Junglehrer ansuchen. Doch das Rundschreiben lieferte die Basis für die Auszahlung; durch den Wegfall des Schreibens fehlt nun die rechtliche Grundlage.

Die Folge: Sei August erhalten betroffene Lehrerinnen und Lehrer kein Geld mehr. Krebs schätzt, dass pro Woche fünf bis zehn Kollegen betroffen sind. "Unter Verwaltungsvereinfachung verstehe ich etwas völlig anderes. So sieht sicher keine Reform aus", so Krebs.

80 Prozent der Erlässe gekübelt

Die groß angekündigte "Entbürokratisierung" kritisiert er scharf. "Anstatt auf Qualität zu schauen, wurde blind nach Quantität gekürzt", so Krebs. Der Kollateralschaden sei enorm gewesen: Selbst dringend notwendige Regelungen seien verschwunden – etwa der wichtige Aufsichtserlass, der für rechtliche Klarheit an Schulen gesorgt habe.

Kritik an Wiens Bildungsstadträtin

Die Kritik endet nicht bei Minister Wiederkehr. Auch Wiens Bildungsstadträtin Emmerling (NEOS) gerät ins Visier des Gewerkschafters. Bei einer Anfrage zur arbeitsmedizinischen Versorgung habe sie gezeigt, dass sie über die tatsächliche Situation der Wiener Landeslehrer kaum Bescheid wisse. "Sie verweist auf die BVAEB – dabei sind die meisten Wiener Lehrer als Vertragslehrer bei der ÖGK versichert", erklärt Krebs.

Appell an Politik

Krebs richtet einen deutlichen Appell an Bund und Stadt Wien: "Verwaltungsreformen funktionieren nur, wenn man mit den Menschen aus der Praxis spricht." Direktoren und Lehrer wüssten am besten, wo es hakt.

Sein Vorschlag: ein einziges, funktionierendes Schulverwaltungsprogramm statt vieler komplizierter Systeme, dazu eine verlässlich erreichbare Bildungsdirektion, die dienst- und besoldungsrechtliche Anliegen rasch erledigt.

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