Die Magistratsabteilung 17 der Stadt Wien – zuständig für Integration und Diversität – bekommt nun vom Stadtrechnungshof Wien eine Rüge: Laut aktuellem Prüfbericht ist das geförderte Projekt "Job-TransFair-Terra" faktisch zu einer spezialisierten Pensionsberatung für Serben geworden.
Die Zahlen sprechen laut Prüfern für sich: Rund 90 Prozent der jährlich rund 4.000 Beratungen zwischen 2021 und 2023 drehten sich um Pensionsfragen. Der Fokus lag dabei auf komplexen Fällen, bei denen unterschiedliche Regelungen in Herkunfts- und Aufenthaltsland geklärt werden mussten. Besonders betroffen: ältere Migranten aus der Balkan-Region und der Türkei.
Das Projekt, betrieben von der gemeinnützigen Job-TransFair GmbH, wird seit Jahren von der MA 17 und dem AMS Wien gefördert – allerdings basierend auf einer rein mündlichen Vereinbarung. Diese stammt noch aus dem Jahr 2014. Der Stadtrechnungshof kritisiert das als intransparent und fordert nun eine schriftliche Neuregelung. In den Jahren 2021 bis 2023 wurde das Projekt von der MA17 mit insgesamt 344.611 Euro gefördert – ausschließlich für den Personalaufwand der Beraterinnen.
Vom AMS Wien gab es im Durchschnitt rund 3,4 Millionen Euro pro Jahr für den gesamten Bereich Beratung und Betreuung, zu dem auch Terra gehört. Der genaue Anteil für das Teilprojekt Terra konnte vom Stadtrechnungshof nicht separat ausgewiesen werden, weil keine gesonderten Kostenstellen vorhanden waren.
Die Beraterinnen arbeiten in mehreren Sprachen – etwa Bosnisch, Serbisch, Türkisch – und betreuen jährlich rund 1.400 Personen. Doch trotz aller Sprachkompetenz bleibt der inhaltliche Fokus auffällig einseitig. Das Projekt habe sich laut Prüfern stark auf Pensionsfragen verengt – andere Themen wie Aufenthalt, Soziales oder Wohnen spielen kaum eine Rolle.
Zwar legte die Job-TransFair GmbH alle Unterlagen stets fristgerecht vor, doch laut Stadtrechnungshof gab es in den Jahren 2021 bis 2023 Rückforderungen der MA17 in der Höhe von 26.700 Euro wegen zu hoch angesetztem Personalaufwand.