Was bislang freiwillig war, wird nun zur Pflicht: Kinder und Jugendliche mit mangelnden Deutschkenntnissen müssen künftig in den Ferien die Schulbank drücken. Der Nationalrat will heute die verpflichtende Teilnahme an der Sommerschule beschließen – betroffen sind vor allem jene Schüler, die aktuell eine Deutschförderklasse besuchen.
Besonders betroffen sind Schüler in Wien: Statt wie bisher rund 9.000 sollen kommenden Sommer etwa 10.000 Kinder in eine Sommerschule kommen – also alle, die aktuell eine Deutschförderklasse besuchen. Ab 2027 wird die Teilnahme auch für Schüler in Deutschförderkursen verpflichtend – laut Wiener Bildungsdirektion wären das nochmals 9.000 zusätzliche Schüler.
Ziel der Maßnahme ist es, die Sprachkenntnisse in den letzten beiden Ferienwochen mit Hilfe von Lehrern, Studierenden und sogenannten "Buddys" zu verbessern. Wer trotz Pflicht fernbleibt, riskiert eine Strafe von bis zu 1.000 Euro – das soll als Verletzung der Schulpflicht gewertet werden.
Die Verpflichtung erfolge in zwei Schritten, weil organisatorisch einiges vorbereitet werden muss, erklärt Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS). Klar sei: Mehr Schüler brauchen mehr Lehrer. Deshalb sollen künftig auch pensionierte Lehrkräfte sowie Spezialisten für Deutsch als Fremdsprache einspringen. Und falls sich zu wenige freiwillig melden, will der Minister Lehrkräfte auch verpflichten können.
Die Gewerkschaft sieht die Novelle kritisch. Zwar begrüße man das Vorhaben grundsätzlich, doch die wachsende Zahl an Kindern stelle viele Schulen vor große Herausforderungen. Mehr Standorte, mehr Personal – und das mitten in den Ferien. "Die dafür (hoffentlich) zusätzlich vorgesehenen Ressourcen wären besser investiert, würden sie den Schulen während eines Schuljahres zur Verfügung stehen", hieß es im Dezember.
Laut wien.orf.at wurden im letzten Sommer Kinder an 93 Standorten in 943 Gruppen unterrichtet – von 731 Lehrerinnen und Lehrern, 235 Lehramtsstudierenden und 42 Buddys.
Neben der Pflicht zur Sommerschule bringt die Sammelnovelle auch mehr Autonomie für die Schulen: Fördermodelle können künftig auch im regulären Klassenverband umgesetzt werden – statt in eigenen Förderklassen. Minister Wiederkehr spricht von einem "wichtigen Schritt", um Deutschkenntnisse nachhaltig zu verbessern. Was 2020 als Corona-Hilfe begann, wird nun für viele Schüler zum Fixpunkt im Sommer. Insgesamt nutzten zuletzt 37.400 Kinder das Angebot in ganz Österreich.