Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SP) rief am Donnerstag anlässlich der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch Zypern zu mehr europäischer Einheit auf. Europa stehe geopolitisch "vor einem Souveränitätstest", so Ludwig. Zypern hat mit 1. Jänner 2026 den Vorsitz im Rat der Europäischen Union übernommen.
Für Ludwig ist das Motto "Eine autonome Union – offen für die Welt" ein "richtiger Kurs für ein Europa, das nur gemeinsam bestehen kann". Europa sei in einer Welt der Supermächte gefordert, handlungsfähig und geschlossen aufzutreten.
"Europa ist nur gemeinsam stark. Die EU wird nur erfolgreich sein, wenn die Mitgliedstaaten zusammenhalten und miteinander agieren", sagte der Bürgermeister. Abschottung und nationale Alleingänge seien aus seiner Sicht riskant und würden Europa schwächen – wirtschaftlich und auch sicherheitspolitisch.
Ludwig sprach von einer "ultimativen Bewährungsprobe" für die Europäische Union. "Diesen Test müssen wir bestehen. Und ich bin überzeugt, dass uns dies gelingen wird. Denn Europa hält heute die Werte und Errungenschaften des Westens hoch." Wer Europa schwäche, schwäche auch die regelbasierte Ordnung, die den Kontinent über Jahrzehnte stabilisiert habe.
Ludwig erinnerte an wirtschaftliche und politische Erfolge der EU. Wien sei seit dem EU-Beitritt Österreichs "von einer Randlage in die Mitte Europas zurückgekehrt". Eine aktuelle Umfrage zeige zudem, dass 81 Prozent der Wienerinnen und Wiener ein stärker integriertes Europa befürworteten.
Auch auf internationaler Ebene gebe es Beispiele für Handlungsfähigkeit. Die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens sei ein Signal, dass Europa trotz globaler Konflikte bereit sei, offen und regelbasiert zu agieren. "So verteidigt Europa seine wirtschaftlichen Interessen und seinen politischen Gestaltungsanspruch", so Ludwig. Zum Abschluss gratulierte der Bürgermeister Zypern zum Ratsvorsitz und sicherte Unterstützung zu. "Europa war nie notwendiger. Geschlossenheit ist der Schlüssel."