Vieles liegt im Bildungssystem im Argen. Mehr als die Hälfte der Wiener Schulanfänger können nicht gut genug Deutsch, um dem Unterricht zu folgen. Auch deswegen wird jetzt verstärkt auch in die Kindergarten-Pädagogen investiert.
Dennoch: Wir haben mehr Kindergartenplätze, aber weiter zu wenig Personal. Österreich hat die Ausbildung in der Elementarpädagogik in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut – doch der erhoffte Schub blieb bisher aus. Das zeigen Zahlen aus dem Bildungsministerium, die in einer Beantwortung einer parlamentarischen FPÖ-Anfrage veröffentlicht wurden.
Die schwarz-grüne Vorgängerregierung hatte ab dem Schuljahr 2021/22 zusätzliche Plätze an den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (Bafep) geschaffen, allein im ersten Jahr waren es 150. Dennoch führte das bislang nicht zu einem klaren Plus bei den Auszubildenden.
Im Schuljahr 2024/25 waren insgesamt rund 10.400 Personen in der fünfjährigen Bafep-Langform (mit Matura) und den zwei- bis dreijährigen Kollegs für Erwachsene eingeschrieben. Das ist zwar etwas mehr als im Jahr davor (rund 10.100), liegt aber unter dem Niveau von 2020/21 (rund 10.600).
Ein deutlicherer Zuwachs zeigt sich bei den Kollegs, wo in den vergangenen Jahren besonders viele neue Plätze entstanden sind: Im Vergleich zu 2020/21 stieg die Zahl dort um fast zehn Prozent auf etwas mehr als 2.000 Schüler.
Dass die Politik den Schwerpunkt hier setzt, hat einen Grund: Kolleg-Absolventen arbeiten nach dem Abschluss deutlich häufiger tatsächlich im Kindergarten – rund 80 Prozent, während es bei Absolventen der Bafep-Langform nur etwa die Hälfte ist. Gleichzeitig kommt bisher nur rund ein Drittel aller Bafep-Abschlüsse aus den Kollegs.
Auch bei den Abschlüssen lässt sich der Ausbau ab 2021 bislang kaum ablesen. In den Schuljahren 2022/23 und 2023/24 – den ersten Abschlussjahrgängen mit zusätzlichen Plätzen – gab es laut Anfragebeantwortung jeweils um die 2.000 Abschlüsse. Das ist in etwa gleich viel wie in den drei Jahren davor.
Auffällig ist jedoch eine Verschiebung Richtung Kolleg: 640 Abschlüsse gab es zuletzt in dieser Ausbildungsform – fast 200 mehr als 2020/21. Im längeren Vergleich relativiert sich das Plus aber: 2017 lag man laut Bildungsministerium bereits bei 600 Kolleg-Absolventen. Insgesamt (inklusive Langform) gab es damals mit 2.300 Abschlüssen sogar mehr potenzielle neue Kindergartenpädagogen als vor Start der Ausbildungsoffensive.
Neben den Bafeps wurden als Reaktion auf den Personalmangel zwar weitere Ausbildungsschienen aufgebaut, etwa Quereinsteigerangebote an Pädagogischen Hochschulen (PH). Im Vergleich zu den über 10.000 Bafep-Schülern fallen diese bislang aber kaum ins Gewicht: 2024/25 waren laut Bildungsministerium etwa 140 Personen in Elementarbildungsangeboten an den PH eingeschrieben.
Trotz Ausbau fehlen laut Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) weiterhin "mehrere Tausend" Kindergartenpädagogen. Die Regierung hat deshalb 32 Millionen Euro für zusätzliche 4.000 Ausbildungsplätze bis 2028/29 vorgesehen.
Der Fokus soll dabei auf berufsbegleitenden Angeboten an Kollegs liegen – Ziel ist ein Angebot in jedem politischen Bezirk. Über mehr Distance Learning will man zudem 20- bis 45-Jährige am Land, die sich beruflich verändern wollen, besser erreichen. Gleichzeitig sollen künftig verstärkt Maturanten angesprochen werden: Ein grundständiges Bachelorstudium für Elementarpädagogik soll neben der Hochschule Campus Wien ab Herbst auch an ausgewählten PH angeboten werden.