Lehrerin geht neue Wege

In dieser Wiener Schule tauschen Kinder Heft gegen iPad

In einer Wiener Volksschule greifen Kids schon ab der 1. Klasse zum iPad. Lehrerin Melanie Ritter zeigt, wie digitaler Unterricht funktionieren kann.
Hannah  Maier
29.01.2026, 06:00
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8 Uhr früh in der Donaustadt. Die Schulglocke der Volksschule Attemsgasse läutet, der Unterricht beginnt. In der Klasse von Melanie Ritter greifen 25 Kinder nicht zu Heft und Federpenal, sondern zu ihren iPads. Die 30-jährige Lehrerin geht bewusst einen anderen Weg als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen.

Schon ab der ersten Klasse setzt sie auf Tablets im Unterricht. "Die Volksschule ist der perfekte Zeitpunkt, um den Grundbaustein zu legen", sagt Ritter. Damit Kinder lernen, sich in der digitalen Welt sinnvoll, selbstbewusst – und vor allem verantwortungsvoll – zu bewegen.

Digital statt staubig

Ob Deutsch, Englisch, Mathematik oder Sachunterricht – das iPad ist aus Ritters Unterricht kaum wegzudenken. "Es ist ein wichtiges Werkzeug, das eigentlich täglich eingebettet wird", erklärt sie. Lern-Apps, Übersetzer, Quiz-Tools oder kreative Applikationen kommen regelmäßig zum Einsatz. Ab und zu organisiert die Lehrerin sogar aufwendige digitale Rätselrallyes, bei denen die Kinder ihr Wissen spielerisch unter Beweis stellen.

Und die Kinder? Die sind begeistert. "Ich mag die Rätselrallyes und die Sprachtools", erzählt die neunjährige Hanna. Rengin (8) liebt es, Bildcollagen zu gestalten und Quizzes zu machen. Armin (10) und Lara (9) schwören auf Sprachlern-Apps wie "Duolingo" und die Lernplattform "Anton". Auch Google ist beliebt. "Damit kann man viel recherchieren, fotografieren und scannen", sagt Lara. Einigkeit herrscht jedenfalls: Unterricht mit iPad macht mehr Spaß als ohne.

Digital – aber mit Maß

Für Ritter ist klar: Das Tablet soll den Unterricht ergänzen, nicht dominieren. "Wir versuchen immer einen guten Mix aus digitalen und analogen Werkzeugen zu finden", sagt sie. Seit acht Jahren unterrichtet sie an der Volksschule im 22. Bezirk, aktuell ihre zweite 4. Klasse.

Die nennt sich nicht ohne Grund "Harry-Potter-Klasse". Ritter ist großer Fan – und die Kinder auch. Die magische Welt zieht sich durch den Schulalltag: Die Schüler sind in die vier Hogwarts-Häuser eingeteilt, schwebende Kerzen und ein Besen hängen von der Decke.

Digital Lernen von Anfang an

Schon am ersten Schultag greift Ritter zum iPad. "Weil ich den Kindern von Beginn an zeigen möchte, wie wichtig ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Werkzeugen ist." An der Schule ist sie damit noch die Ausnahme, wird aber von der Direktion unterstützt. Inzwischen gibt es einen Klassensatz mit fast 25 iPads, die auch von anderen Lehrpersonen genutzt werden können.

Strenges Handyverbot, kontrollierter Tablet-Einsatz

Während Handys in der Schule tabu sind, darf das iPad im Unterricht und in der Freiarbeit verwendet werden. Eine Zeitersparnis sei das für sie nicht, sagt Ritter ehrlich. "Aber der Unterricht wird dadurch flexibler und moderner." Über eine spezielle App behält sie jederzeit den Überblick, was die Kinder am Tablet machen. Bei Bedarf kann sie Seiten oder Apps sperren. "Das war bisher nur einmal nötig – danach wussten die Kinder, dass ich wirklich alles sehe", sagt sie schmunzelnd.

Cybermobbing ernst nehmen

Cybermobbing ist in vielen Schulen ein Problem. Gerade deshalb setzt Ritter stark auf Prävention. Gemeinsam mit den Kindern besucht sie Workshops, in denen der richtige Umgang mit digitalen Geräten und dem Internet vermittelt wird. "Viele Kinder haben heute schon mit sieben oder acht Jahren ein eigenes Handy. Da ist es Aufgabe der Schule, sie gut zu begleiten, damit die Nutzung nicht außer Kontrolle gerät", betont sie.

Engagiert – übers Klassenzimmer hinaus

Auf Instagram gibt die junge Lehrerin Einblicke in ihren Alltag: Unter dem Namen "Volksschulzauberin" teilt sie Unterrichtsideen, Klassenprojekte und ehrliche Momente aus dem Lehrerinnenleben – und erreicht damit viele Eltern und Pädagogen.

Ritter plädiert für einen moderneren, flexibleren Unterricht an Volksschulen. Dafür brauche es aber auch finanzielle Unterstützung, wie etwa durch die Schulbuchaktion des Bundes, wie es vergleichsweise in anderen Ländern auch gehandhabt wird. Denn aktuell können nur die Schwerpunktklassen mit iPads arbeiten, bei denen die Eltern diese vollständig selbst bezahlen – anders als in der Sekundarstufe 1, bei der die Geräte größtenteils aus Bundesmitteln über die Geräteinitiative bezahlt werden.

Digitale Bildungswochen:

Die Fortbildungsreihe ist kostenfrei und richtet sich an Lehrer und Eltern. Mit Tipps, Tools und kreativen Ideen aus der Praxis zur frühkindlichen Förderung über die Grundschule bis zum Abitur. Interessierte erhalten Impulse für den digitalen Schulalltag.

Wann: 26. Januar bis 13. Februar

Infos: www.digitalebildungswochen.online

"In der Volksschule gibt es für digitale Endgeräte keine speziellen Förderungen. Das wäre wichtig – für Schulen, Eltern und Lehrpersonen, damit alle freier arbeiten und zeitgemäße Lerninhalte nutzen können, unabhängig von der ökonomischen Lage der Eltern", sagt Ritter.

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