"Fatal im KI-Zeitalter"

Wiederkehr unter Druck: Promis kritisieren Latein-Pläne

In der Diskussion um die geplante Kürzung des Lateinunterrichts von Bildungsminister Wiederkehr gibt es Widerstand von prominenten Persönlichkeiten.
Newsdesk Heute
04.02.2026, 14:37
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Der geplante Umbau des Lateinunterrichts an Österreichs Gymnasien sorgt für heftigen Widerstand: Zahlreiche prominente Stimmen aus Kultur und Wissenschaft protestieren gegen die Pläne von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos), zugunsten von mehr KI-Unterricht die Stunden für Latein und die zweite lebende Fremdsprache zu kürzen.

In einer Petition, die unter anderem von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek unterstützt wird, ist von einem "grundsätzlichen Angriff auf die geistige Substanz" des Bildungssystems die Rede. Auch Nobelpreisträger Peter Handke und Anton Zeilinger sowie Alt-Bundespräsident Heinz Fischer zählen zu den Unterzeichnern.

Kritik an Kürzung der Lateinstunden

"Wer Latein marginalisiert, schwächt bewusst jene Fähigkeiten, die eine demokratische Gesellschaft dringend braucht: strukturiertes Denken, sprachliche Präzision, historische Urteilskraft", heißt es im Aufruf. Mit den Lateinstunden werde nicht bloß Schulstoff gestrichen, sondern Denkfähigkeit und das sei gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz fatal. Ohne historisch und logisch geschultes Denken werde KI "zur Black Box für Unmündige".

Wiederkehr hatte angekündigt, den Lateinunterricht in der AHS-Oberstufe über vier Jahre hinweg von zwölf auf acht Stunden zu reduzieren. Für die Unterzeichner der Petition ist das "pädagogisch unhaltbar und fachlich unredlich". In dieser Zeit könne man "das lateinische Denken" nicht vermitteln.

Jelinek wird mit deutlichen Worten zitiert: "Wenn man in der Schule das alles einfach einstellt, dann fallen wir vielleicht nicht gerade ins Bodenlose, aber auf einen sehr harten Boden, der uns das Kreuz brechen könnte."

Zudem wird davor gewarnt, Bildung nur nach Verwertbarkeit auszurichten. Latein müsse als vollwertiges Fach erhalten bleiben, außerdem solle Literatur im Unterricht wieder stärker ausgebaut werden.

Video: Änderungen im Lehrplan

Minister lädt zu Gespräch ein

Am Mittwoch reagierte Wiederkehr mit einer Einladung an die Initiatoren der Petition, Nina Hoppe und Gerhard Ruiss, zu "einem offenen Dialog". "Denn genau das ist für mich gelebter Humanismus", erklärte der Minister.

Er verteidigte jedoch erneut die Kürzungen zugunsten von Themen wie KI, Medien- und Demokratiebildung als Antwort auf gesellschaftliche und digitale Veränderungen. "Der geäußerte Kritikpunkt – die Schwächung der Literatur – dürfte ein Missverständnis sein", meinte Wiederkehr. Deutsch werde künftig verstärkt auf Gegenwartsliteratur setzen, klassische Sprachen und Literatur blieben Teil des Fächerkanons. Das Gespräch soll kommende Woche stattfinden, die Initiatoren haben bereits zugesagt.

Viele Schulen betroffen

Von der Änderung betroffen wären laut Bildungsressort rund 20 Prozent der etwa 360 AHS-Standorte, die keine autonomen Stundentafeln nutzen. Grundsätzlich könne jedes Gymnasium weiterhin eigene Schwerpunkte setzen und etwa mehr Lateinstunden anbieten.

Wiederkehr betonte zudem, dass viele Schüler, Eltern und Lehrkräfte eine "Entrümpelung" des Lehrplans wünschen. In einer Umfrage mit 45.000 Befragten sprachen sich 83 Prozent der Schüler und 74 Prozent der Eltern dafür aus, durch Kürzungen Platz für neue Themen zu schaffen.

Zuletzt wählten im Schuljahr 2023/24 rund 43.124 Jugendliche Latein als Fremdsprache in der Oberstufe. Laut Statistik Austria besuchten 48 Prozent der AHS-Oberstufenschüler Lateinunterricht, in Berufsbildenden höheren Schulen spielte das Fach hingegen kaum eine Rolle.

{title && {title} } red, {title && {title} } 04.02.2026, 14:37
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