Ihren konkreten Reform-Fahrplan für die nächsten Monate wird die Regierungsspitze erst öffentlich machen – für den Gesundheitsbereich erfuhr "Heute" abseits dessen aber aus Kreisen der Standesvertretungen bereits einen Punkt, der für einige Aufregung sorgen dürfte.
Demnach plant die Koalition, das Impfen auch in Apotheken nun zu ermöglichen – zur Entlastung der Hausärzte.
Rund 1.400 Apotheken gibt es in Österreich, auf einen Schlag gäbe es also ein viel größeres Netz für Patienten, sich eine Immunisierung zu holen. Zumal nicht selten vor dem Stich beim Arzt ohnehin der Besuch in der Apotheke steht, um sich den Impfstoff zu holen.
Die Apothekerkammer fordert seit Langem, Impfungen durch pharmazeutisches Fachpersonal in den Apotheken durchführen zu dürfen – auch weil das für die Patienten ein niederschwelligerer Zugang wäre und so die Impfquote erhöht werden könnte.
Die Ärztekammer stemmt sich dagegen: "Impfen ist eine ärztliche Leistung und sollte in den Ordinationen bleiben", lautet die Argumentation. Spätestens seit der Corona-Pandemie tobt der Impf-Streit zwischen den Standesvertretungen.
Entsprechende Gesetzvorstöße scheiterten bisher. Seit sich Gerüchte verdichten, dass von Regierungsseite Ernst gemacht werden soll mit dem Apotheken-Stich, gehen laut "Heute"-Infos die Wogen hoch. In der Ärztekammer herrscht dem Vernehmen nach Alarmstimmung.
Impfen sei mehr als nur ein Stich, betonte die Wiener Ärztekammer erst vor wenigen Tagen. Das fange an mit der Feststellung der Impftauglichkeit eines Patienten bis hin zur Nachbeobachtung und im Falle von Nebenwirkungen der Ergreifung notfallmedizinischer Maßnahmen.
"Ärztinnen und Ärzte sind aufgrund ihrer Ausbildung als auch aufgrund der Ordinationsausstattung auf diese, zum Glück seltenen, Notfälle trainiert und bestens eingespielt. Nur so können der medizinische Qualitätsstandard bei Impfungen und die größtmögliche Sicherheit für Patientinnen und Patienten gewährleistet werden", hielt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Ärztekammer Wien, fest.
Fakt ist: In zahlreichen europäischen Ländern ist das Impfen in der Apotheke bereits gängige und erfolgreiche Praxis.
"Es ist wichtig, dass Menschen möglichst niederschwellig zu Impfungen kommen. Angesichts der aktuellen Durchimpfungsraten ist es inzwischen fast schon fahrlässig, zusätzliche Impf-Angebote wie in den Apotheken nicht zu schaffen“, erklärte Susanne Ergott-Badawi, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer.
Rund ums Impfen dürften jedenfalls die Wogen weiter hoch gehen. Und das nicht nur, weil etwa der Gürtelrose-Impfstoff aktuell knapp ist...