Schon einmal hat ein Engpass das Land kalt erwischt: In der Corona-Pandemie zeigte sich, wie rasch Lieferketten reißen können. Jetzt schlagen Großhändler und Ärzte wieder Alarm. Es geht um zentrale Medikamente – und um eine Impfung, die tausende Erkrankungen verhindern soll.
Wie der Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago am 16. Februar mitteilte, gibt es derzeit bei 1.300 Medikamenten Probleme mit dem Nachschub. Betroffen sind unter anderem Antidiabetika mit "Lieferschwierigkeiten" sowie "wochenweise Kontingentierungen vieler Hersteller". Auch antibiotische Augentropfen "weisen nach wie vor zahlreiche Ausfälle auf".
Zusätzlich sorgt der fehlende Gürtelrose-Impfstoff für Kritik. Seit 1. November 2025 ist die Impfung für Personen ab 60 Jahren und Risikogruppen kostenlos – doch der Impfstoff "ist erneut nicht verfügbar", warnt die Wiener Ärztekammer. Kammer-Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied sagt: "Die kostenlose Impfung gegen Herpes Zoster klingt schön und ist sinnvoll, aber in der Praxis hält das Versprechen nicht."
Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, dass "im Laufe des ersten Halbjahres 2026 eine große Menge" wieder verfügbar sein soll. Problematisch ist das Zwei-Dosen-Schema: "Viele Patientinnen und Patienten haben bisher nur die erste Teilimpfung erhalten. Ob die zweite Dosis rechtzeitig verfügbar sein wird, ist ungewiss", so Kamaleyan-Schmied.
In Österreich treten jährlich rund 30.000 bis 40.000 Fälle von Gürtelrose auf. Etwa jede dritte Person erkrankt im Lauf ihres Lebens daran. Die aktuelle Lage zeigt: Die Medikamenten-Versorgung bleibt auch Jahre nach Corona ein sensibles System – und anfällig für neue Engpässe.