In dieser Woche hat der Ramadan begonnen – und stellt Schulen bereits vor Herausforderungen. "Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer", schildert eine Schulleitung aus Wien. Heuer hätten Kollegen an einigen Standorten sogar die Faschingsfeier verschieben müssen, denn der Beginn der strengen Fastenzeit fiel genau in die Woche des Faschingdienstags.
Fasten ist im Islam streng: Von morgens bis abends bis zum Fastenbrechen wird auf Wasser und Nahrung verzichtet. Eigentlich sind Kinder vom Fasten ausgenommen, doch die Praxis sieht in Wien vielerorts anders aus. "Die Schüler eifern den Erwachsenen nach", erzählt die Schulleitung gegenüber "Heute".
Der Großteil der Kinder an dieser Mittelschule ist muslimisch. "Wir besprechen das Thema im Religionsunterricht, aber viele Kinder besuchen diesen Unterricht nicht und die erreichen wir nur schwer", schildert die Fachkraft. Ein großes Problem: Social Media. Zahlreiche Videos von sogenannten Predigern kursieren, die die Kinder zum Fasten auffordern.
Die Folgen sind weitreichend. "Wir hatten eine Schülerin, die kam von einem Tag auf den anderen plötzlich völlig verschleiert in die Schule", erzählt die Schulleitung. Viele Mädchen tragen mittlerweile eine spezielle Ramadan-Bekleidung. "Die Kinder sind müde, launisch und unkonzentriert", schildert die Schulleitung. Vergangenes Jahr sei im Turnunterricht sogar ein Schüler zusammengebrochen.
"Wir bieten den Kindern Wasser an, aber sie lehnen ab. Auch im Kochunterricht wird das Essen verweigert. Wir haben eine wöchentliche Aktion, bei der die Kinder eine gesunde Jause bekommen. Die Schüler sagen dann 'Nein, wir fasten'."
Dazu kommt: "Die Schüler machen teilweise einen Wettbewerb daraus – wer es schafft, mehr Stunden nichts zu essen", erzählt die Lehrkraft. In der Schule versucht man schon länger gegenzusteuern. "Wir führen Gespräche mit Schülern und Eltern und versuchen anzuregen, das Fasten auf andere Dinge zu beziehen und zum Beispiel auf das Handy zu verzichten", so die Schulleitung.
Doch insgesamt bleibt das Problem bestehen, Sprachbarrieren erschweren die Kommunikation und das gemeinsame Fasten suggeriert den Schülern ein Zugehörigkeitsgefühl. "Die Auswirkungen steigern sich von Jahr zu Jahr. Anfangs haben nur ein paar Schüler der vierten Klasse gefastet, mittlerweile betrifft es den Großteil meiner Schüler." Die Schulleitung wünscht sich mehr Unterstützung von der Bildungsdirektion, denn "aktuell wurschtelt sich jede Schule irgendwie selbst durch" und auch mehr Aufklärungs- und Präventionsarbeit in den Communities.