Es ist ein Horror für die Angegriffenen: Immer mehr Mitarbeiter der heimischen Bahnen werden von aggressiven Passagieren angegriffen. Die Folgen sind schlimm: "Mein Teamkollege wird plötzlich attackiert, einer hat ihm auf den Schädel geschlagen." Das erzählte ÖBB-Zugbegleiter Muhammed Bakir "Heute" vor ein paar Tagen.
Tatort war die Schnellbahn S2 kurz vor Mödling. Bakir griff ein, half seinem Kollegen: "Doch dann wurde ich zur Zielscheibe, ich bin attackiert worden." Das Ende war blutig: „Ich hatte einen Nasenbeinbruch, schwere Verletzungen in der Augenhöhle, ein Zahn war ausgebrochen."
Bei einem anderen Vorfall auf der selben Strecke begann ein Mann bei der Ticketkontrolle zu brüllen, auch er wurde aggressiv. "Dann stand er auf und hat meine Kollegin zwischen die Beine getreten!" Bakir überwältigte den Mann, bis die Polizei eintraf.
Schon damals kündigte Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) einen runden Tisch an, "innerhalb der ÖBB auf höchster Ebene unter Beteiligung von Expertinnen und Experten des BMIMI (Anm.: Infrastrukturministerium) sowie des BMI (Innenministerium)." Dieser fand jetzt statt, auch unter Beteiligung der Gewerkschaft vida und der Westbahn. Das Ergebnis ist ein Zehn-Punkte-Plan.
Es wird künftig mehr Kooperation mit der Polizei geben. Gemeinsame Streifen sollen die sichtbare Präsenz in Zügen und auf Bahnhöfen erhöhen, auch gemeinsame Kampagnen sollen ausgeweitet werden.
Ein erhöhter Personaleinsatz soll ebenso vorbeugen wie eine bessere persönliche Ausrüstung. Bereits seit mehreren Jahren tragen Service- und Kontrollteams Bodycams. Künftig soll eine neue Generation dieser Kameras verstärkt zum Einsatz kommen, so die ÖBB.
ÖBB-Chef Andreas Matthä: "Die Sicherheit unserer Kolleginnen und Kollegen hat für uns oberste Priorität, jeder einzelne Übergriff ist einer zu viel." Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch: "Gewalt und Übergriffe am Zug haben in keiner Form Platz. Sicherheit für alle im Bahnverkehr – Reisende und Mitarbeitende – hat höchste Priorität."
Auch die Gewerkschaft vida pocht auf rasche Umsetzung. "Entscheidend ist jetzt, dass in einem ersten Schritt durch organisatorische Maßnahmen mehr Personal und sichtbare Polizeipräsenz in den Zügen eine spürbare Verbesserung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eintritt", sagte vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit.