Teuerung extrem

Gurken kosten in Russland schon so viel wie Avocados

Gurken und Tomaten erreichen in Russland Rekordpreise. Energie- und Steuerkosten treiben Verbraucherpreise aktuell stark nach oben.
Newsdesk Heute
11.02.2026, 08:40
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Die russische Wirtschaft strauchelt – gleichzeitig schießen die Verbraucherpreise in die Höhe. Einkaufen wird in Russland immer teurer, wie jetzt eine besonders heftige Preisexplosion bei Gemüse deutlich macht.

"Gurken zum Preis von Avocados", titelt die zweitgrößte Zeitung Russlands, "Moskowski Komsomolez" (MK), am Sonntag. Die Preise für die beliebten Kürbisgewächse sind innerhalb eines Monats um 43 Prozent nach oben geschossen. Das Kilo kommt schon auf bis zu 500 Rubel, umgerechnet 5,40 Euro. Auch Tomaten verteuerten sich um knapp 21 Prozent.

Beides wird in Russland ganzjährig in Gewächshäusern angebaut, Importe wurden fast gänzlich eingestellt. "Woher kommen diese Kosten, wenn alles aus heimischer Produktion stammt? Das Land, der Strom, die Düngemittel … Wir hätten allen Grund, erschwingliche Preise zu erwarten, stattdessen brechen sie Rekorde …", wundert sich MK.

"Gurken sind heutzutage so teuer wie Avocados", wird Igor Abakumow, Wirtschaftswissenschaftler und Moderator der Doku-Sendung "Sel'skiy Chas", zitiert. Er glaubt nicht an eine willkürliche Preiserhöhung durch die Landwirte: "Sie wissen: Je teurer eine Gurke ist, desto schwieriger lässt sie sich verkaufen".

„Kennen Sie den Unterschied zwischen der Agrarpolitik in Europa und Russland? Ganz einfach: Bei Fehlern, Dürre oder Krankheiten erhalten europäische Landwirte Beratungsleistungen, während russische Landwirte von einem Staatsanwalt mit Anklagen besucht werden. Dieser Unterschied erklärt viele Fragen, zum Beispiel, warum Gurkenpreise in unserem Land mittlerweile mit Rindfleischpreisen vergleichbar sind.“
Igor AbakumowWirtschaftswissenschaftler, Moderator "Sel'skiy Chas"

2 Prozent

Zwei große Faktoren dürften stattdessen die Misere in den Supermarktregalen ausgelöst haben: Energie und Steuern.

Als wärmeliebende Gewächshauspflanzen benötigen Gurken (Tomaten, etc.) besonders jetzt im kalten Winter viel künstliche Beleuchtung und Heizung. Die Energiekosten sind laut dem Bericht deutlich gestiegen, machen rund die Hälfte der gesamten Produktionskosten aus.

Als wichtigsten Faktor nennt Abakumow aber die Steuererhöhungen: "Natürlich wirkt sich auch die Mehrwertsteuer auf die Preise aus, die seit diesem Jahr um 2 Prozent erhöht wurde." Zwei Prozent Teuerung klingt nicht nach viel, doch zieht sich diese durch die gesamte Wertschöpfungskette vom Gewächshausproduzenten bis zum Einzelhandel, erinnert er. Auch das hat die Produktionskosten deutlich in die Höhe getrieben.

"Schwer zu glauben"

"Die Gurke ist eine sehr wärmeliebende Pflanze, sie braucht Licht und Wärme, und derzeit mangelt es eindeutig an beidem. In Gewächshäusern steigt der Stromverbrauch erheblich. Ersatzteile, Logistik ... Die Gurken werden zwar hier angebaut, aber das Pflanzmaterial wird importiert. Außerdem müssen die Gehälter der Mitarbeiter erhöht werden. All dies schlägt sich in dem Preis nieder, den wir im Laden sehen", führt Abakumow aus.

Die Landwirte versichern zwar, dass schon in wenigen Woche die nächste Ernte eingefahren wird und dadurch auch die Preise sinken werden. Für MK ist das aber "schwer zu glauben", da die preistreibenden Faktoren weiter bestehen würden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 11.02.2026, 08:40
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