Wladimir Putin hat mit seinem Krieg gegen die Ukraine der russischen Wirtschaft in den Fuß geschossen. Zwar haben die steigenden Militärausgaben anfänglich das Bruttoinlandsprodukt BIP sogar wachsen lassen, doch inzwischen stehen die Zeichen innerhalb Russlands deutlich auf Rezession.
Optimistisch prognostiziert der Kreml nach dem ohnehin schon miesen Wirtschaftsjahr 2025 – offiziell war es eine "gesteuerte Abkühlung" – für 2026 wieder einen leichten Aufschwung. "Tatsächliche makroökonomische Statistiken und die Lage in systemrelevanten Branchen deuten jedoch auf eine Rezession hin", kritisiert allerdings die Moskauer Tageszeitung "Nesawissimaja gaseta" unter Berufung auf mehrere Wirtschaftsinstitute im Land.
Massive und anhaltende Absatzrückgänge in der systemrelevanten Eisen- und Stahlindustrie sowie ein Rückgang des Güterverkehrs sind laut den zitierten Experten eindeutige Anzeichen für eine gesamtwirtschaftliche Rezession.
Die Nachfrage nach Produkten der Metallindustrie ist 2025 in Russland – trotz der massiv ausgebauten Waffenproduktion – auf den niedrigsten Stand seit 2011 gefallen, heißt es in dem Bericht. Nach Ansicht von Experten befindet sich fast die gesamte Branche bereits in einem "finanziellen Überlebensmodus". Für Investitionen sei kein Geld mehr.
"Geringere Investitionen führen zu fortschreitender technologischer Rückständigkeit. Langfristig droht dadurch der Verlust von Fachkräften und Personal sowie die Unfähigkeit, die zukünftige Nachfrage nach hochwertigem Stahl im Inland zu decken, was das Rohstoffungleichgewicht im Export verschärft", führt "Nesawissimaja gaseta" weiter aus.
Nur noch wenige Sektoren in Russland würden weiterhin Produktionswachstum verzeichnen – insbesondere der Verteidigungssektor und die Düngemittelproduktion. Doch selbst diese Wachstumsbranchen hätten den Abwärtstrend nicht aufhalten können. Das BIP-Wachstum sei schon Ende letzten Jahres nahezu null gewesen, und für 2026 würden sich keine Faktoren abzeichnen, die die Wirtschaft ankurbeln könnten.
Das vernichtende Fazit: "Russlands Exporteinnahmen sinken, die Haushaltseinnahmen gehen zurück, die Steuern steigen, die Verbrauchernachfrage schrumpft und die Zinssenkung der Zentralbank bleibt rein symbolisch. Man muss kein Wissenschaftler oder Ökonom sein, um für dieses Jahr eine Rezession vorherzusagen."