Noch Anfang Oktober 2024 lag der Bitcoin bei über 126.000 Dollar. Am vergangenen Donnerstag schrammte er dann nur noch knapp über die 60.000-Dollar-Marke.
Mittlerweile hat sich der Kurs ein wenig beruhigt und pendelt rund um 70.000 Dollar. Wie 20 Minuten berichtet, rechnen Fachleute aber nicht damit, dass der Bitcoin bald wieder an die alten Höchststände anschließen kann.
"Die Zinsangst schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger, während Sorgen über Liquiditätsknappheit, institutionelle Kapitalabflüsse und eine ausgeprägte Risikoaversion den Markt belasten", bringt es Timo Emden von Emden Research gegenüber der "Frankfurter Allgemeine" auf den Punkt.
Viele, die auf steigende Kurse gesetzt haben, sind vom Absturz des Bitcoins überrascht worden. Sie mussten ihre Anteile notgedrungen verkaufen. "Es gibt kaum Interesse, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen", sagt Rachael Lucas, Analystin von BTC Markets, gegenüber der FAZ. "Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Ausverkauf stark von Liquidationen getrieben war."
Ein weiterer Grund für den Einbruch: Institutionelle Investoren ziehen sich derzeit aus dem Bitcoin zurück. Laut einer Analyse der Deutschen Bank liegt ein großer Teil des Kurssturzes an den Kapitalabflüssen von Großanlegern und aus ETFs.
Diese hätten in den letzten Monaten Bitcoins im Wert von mehreren Milliarden verkauft. Dass sie schon länger kontinuierlich verkaufen, sei ein Signal, dass traditionelle Investoren das Interesse verlieren und der Pessimismus gegenüber Kryptowährungen wächst.
Auch die Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank (FED) durch Donald Trump sorgt für Nervosität. Warsh gilt zwar nicht als Gegner von Kryptowährungen, dürfte aber für eine straffere Geldpolitik – sprich höhere Zinsen – sorgen.
Obwohl Donald Trump angekündigt hat, die USA zum Kryptoland Nummer 1 machen zu wollen und seine Familie sogar eigene Krypto-Firmen gegründet hat, hilft selbst die Unterstützung des US-Präsidenten der Branche derzeit wenig. Die geplante Deregulierung geht nur schleppend voran. Ein wichtiges Gesetz wurde erst von Binance kritisiert, jetzt äußern sich auch die Banken skeptisch. Außerdem machte US-Finanzminister Scott Bessent kürzlich klar, dass die USA den Bitcoin-Kurs nicht durch Käufe stützen werden.
Laut Experten spielt auch das wachsende Misstrauen gegenüber Technologie-Investitionen eine Rolle. Viele Anleger sind vorsichtiger geworden, weil die Angst vor einer KI-Blase umgeht. "Angst und Unsicherheit am Markt sind offensichtlich. Ohne Käufer mit der Überzeugung, sich gegen den Abwärtsdruck zu stellen, verstärkt jede Welle von ETF-Rückgaben und Liquidationen den Kursverfall", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Chris Newhouse, den Chef der Geschäftsentwicklung bei Ergonia.