Der Rückruf rund um verunreinigte Babynahrung in Österreich nimmt immer größere Ausmaße an. Nachdem bereits Nestlé im Jänner erste Produkte vom Markt nehmen musste, zog zuletzt auch Danone nach: Am Donnerstag wurden mehr als 90 Chargen von Aptamil und Milumil zurückgerufen.
Auslöser war eine Probe, in der vergangenen Freitag erstmals eine gesundheitsschädigende Konzentration des Toxins Cereulid festgestellt wurde. Seit dieser Woche läuft deshalb eine österreichweite Schwerpunktaktion.
Das Gesundheitsministerium hat die Lebensmittelbehörden der Länder beauftragt, in allen Bundesländern Proben zu ziehen. Diese werden anschließend im Labor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht.
Wie berichtet, meldete das Wiener Marktamt am Donnerstag, dass bei den aktuellen Kontrollen erneut Produkte positiv auf Bacillus-Cereus-Toxin getestet wurden. Die betroffenen Waren dürfen "bis auf Weiteres nicht mehr verkauft oder verteilt werden". Danone müsse zudem "einen vollständigen Nachweis der Unbedenklichkeit zu erbringen, bevor eine erneute Freigabe erfolgen kann".
Aptamil und Milumil haben mittlerweile auf ihren Webseiten ein Rückruf-Prüf-Tool eingerichtet. Eltern können dort durch Eingabe des Mindesthaltbarkeitsdatums kontrollieren, ob ihr Produkt betroffen ist. Im Handel sind weiterhin auch andere Chargen erhältlich, die nicht zurückgerufen wurden.
In Österreich sind den Behörden bisher keine Krankheitsfälle bekannt, die mit dem Konsum der betroffenen Produkte in Zusammenhang stehen. Sollten Eltern dennoch besorgt sein, raten die heimischen Behörden, sich an den Kinderarzt zu wenden. Betroffene Produkte sollen nicht weiter verfüttert und im Geschäft zurückgegeben werden. Der Kaufpreis wird auch ohne Kassenbon erstattet.
Am Montag hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erstmals Höchstwerte für das Toxin Cereulid in Milchpulver festgelegt – zuvor gab es keinen Grenzwert. Die Überschreitung dieses Werts war letztlich der Grund für den Rückruf am Donnerstag.
Die AGES informierte, dass in einer aktuellen Probe eine Cereulid-Konzentration festgestellt wurde, "die lebensmittelrechtlich als gesundheitsschädlich beurteilt werden muss, da der EFSA-Grenzwert gleich mehrfach überschritten wurde". Vier Aptamil-Chargen waren deshalb bereits am Samstag zurückgerufen worden.
Die EFSA legte am Montag erstmals eine sogenannte Akute Tagesdosis (ARfD) fest. Vorgeschlagen wurde eine zulässige Dosis von 0,014 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht für Säuglinge. Eine Konzentration von mehr als 0,054 Mikrogramm pro Liter in Säuglingsmilch könne damit "zu einer Überschreitung der Sicherheitswerte führen".
Cereulid gilt besonders für Babys als gefährlich. Das bakterielle Toxin ist hitzestabil und kann kurz nach der Aufnahme Erbrechen und Durchfall auslösen. Die Symptome treten meist zwischen 30 Minuten und sechs Stunden nach dem Verzehr auf. Problematisch ist, dass gängige Erhitzungsverfahren das Gift nicht zuverlässig zerstören.
Ursache ist laut Behörden ein als Zutat verwendetes und verunreinigtes Spezialöl eines Zulieferers aus China. Dabei handelt es sich um ARA-Öl, eine Quelle für Omega-6-Fettsäuren, die in bestimmten Säuglingsmilchprodukten enthalten ist.