"Wir raten derzeit zu extremer Vorsicht beim Kauf von Babynahrung", sagt Alexander Hengl, Sprecher des Marktamts, im Gespräch mit "Heute". Der Grund für die drastische Warnung: Neue Testergebnisse zeigen, dass der Skandal um belastete Kindernahrung deutlich größer ist als bisher bekannt. Weitere Produkte stehen bereits unter Beobachtung, zusätzliche Untersuchungen laufen.
Das Bacillus-Cereus-Toxin (Cereulid) kann bei Säuglingen massives Erbrechen, schweren Durchfall und gefährliche Austrocknung auslösen. In seltenen Extremfällen sind auch Leberversagen und lebensbedrohliche Zustände beschrieben. Für Babys kann das akut gefährlich werden, weil ihr Körper solche Belastungen kaum abfedern kann.
Hengl macht klar, dass die Lage ernst ist: Man könne aktuell nicht ausschließen, dass noch weitere Babynahrungs-Produkte betroffen sind. Das Marktamt arbeite daher mit Hochdruck, ziehe laufend neue Proben und stehe in engem Kontakt mit den Herstellern, um mögliche Risiken rasch zu erkennen und aus dem Verkehr zu ziehen.
In den vergangenen zwei Tagen hat das Marktamt 26 Proben quer durch das gesamte Sortiment untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Mehrere Produkte wurden positiv auf das Bacillus-Cereus-Toxin getestet.
"Nach diesen Ergebnissen wurden auch die Hersteller aktiv – inzwischen wissen wir, dass rund 50 Chargen betroffen sind", erklärt Hengl. In der Folge veranlasste das Marktamt Rückrufe und sofortige Verkaufsverbote für die belasteten Produkte.
Betroffen sind Kinder- und Säuglingsnahrungsmittel mehrerer großer Hersteller. "Darunter befinden sich Produkte von Nestlé, Danone, aber auch Marken wie Milumil und Aptamil", sagt Hengl. Damit ist klar, dass es sich nicht um vereinzelte Produkte handelt, sondern um Babynahrung, die in vielen Haushalten regelmäßig verwendet wird.
Bereits nach dem ersten internationalen Babynahrungs-Skandal sei man im Marktamt davon ausgegangen, dass weitere Hersteller betroffen sein müssen. "Diese Annahme hat sich jetzt bestätigt", so der Sprecher.
In mehreren Proben wurde das Bacillus-Cereus-Toxin nachgewiesen – ein Stoff, der für Säuglinge besonders gefährlich ist. "Das Bakterium kann man abtöten, das Gift bleibt aber bestehen", erklärt Hengl. "Das Toxin ist hitzestabil. Abkochen oder Erhitzen bringt nichts." Gerade für Babys stellt das ein hohes Risiko dar, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Das Marktamt rät daher dringend davon ab, betroffene Produkte weiter zu verwenden.
Behörden prüfen akribisch, ob Rohstoffe aus China der Ausgangspunkt der Belastung waren. Die Lieferketten reichen über mehrere Länder – entscheidend ist, wo das Bakterium in die Produktion gelangte.
Trotz der zahlreichen Rückrufe geht das Marktamt derzeit nicht von einer Knappheit bei Babynahrung aus. "Wir rechnen aktuell nicht mit Versorgungsengpässen", sagt Hengl. Sichere Alternativen seien weiterhin verfügbar.
Gleichzeitig zeige der aktuelle Einsatz, wie wichtig umfassende Lebensmittelkontrollen seien. Diplomatisch formuliert: Der Fall unterstreiche die Bedeutung einer starken behördlichen Kontrolle, um Verbraucher – besonders Kinder – wirksam zu schützen.