Angespannte Lage am Jobmarkt

"Nimmt stark zu" – AMS-Leiter macht Schock-Aussage

Die Arbeitsmarktlage in Österreich bleibt auch zu Beginn des Jahres 2026 mehr als angespannt. Die steirische AMS-Spitze wagt eine Prognose.
André Wilding
06.02.2026, 20:12
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Der österreichische Arbeitsmarkt bleibt auch im Jänner 2026 von den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Ende Jänner waren rund 379.800 Personen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von etwa 14.000 Personen bzw. 3,8 Prozent gegenüber dem Jänner des Vorjahres.

Die Register-Arbeitslosenquote lag bei 8,8 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte über dem Wert von Jänner 2025. "Der Arbeitsmarkt steht weiterhin unter dem Eindruck der schwachen Konjunktur, zeigt aber zugleich erste Anzeichen einer Stabilisierung. Entscheidend ist, dass wir Menschen gezielt qualifizieren und besonders Jugendliche beim Einstieg in den Beruf unterstützen", erklärt Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann.

Österreich befindet sich weiterhin in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation. Seit Mitte 2022 blieb ein nennenswertes Wachstum aus, das Bruttoinlandsprodukt ging 2023 real um 0,8 Prozent und 2024 um 0,7 Prozent zurück. Diese Entwicklung spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. Für das Jahr 2026 erwarten sowohl das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) als auch das Institut für Höhere Studien (IHS) laut Prognosen vom Dezember 2025 ein leichtes Wirtschaftswachstum von rund 0,5 Prozent, das mittelfristig positive Impulse für Beschäftigung und Arbeitsmarkt setzen dürfte.

"Im März oder April"

Doch wie sieht eigentlich die Lage in der Steiermark aus? "Wir haben zurzeit keine einzige große Frühwarnmeldung, also keine Informationen, die auf größere Schwierigkeiten bei Betrieben hindeuten", sagt Karl-Heinz Snobe, AMS-Leiter in der Steiermark, in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung". Gleichzeitig rechnet er aber damit, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten noch anziehen wird.

Der Grund: Viele Freistellungen würden erst zeitverzögert in der Statistik aufscheinen. "In Summe rechnen wir im ersten Halbjahr 2026 mit einer Seitwärtsbewegung."

Eine spürbare Verbesserung erwartet das AMS Steiermark erst später im Jahr. Snobe verweist in der Tageszeitung dabei auf Wirtschaftsprognosen und Einschätzungen des AMS-Vorstands. "Johannes Kopf rechnet damit, dass es österreichweit bereits im März oder April das erste Mal ein Minus bei den Arbeitslosen geben wird. In der Steiermark glaube ich, dass wir im August, aber nicht früher, erstmals ein Minus in der ordentlichen Statistik sehen werden.

Dass die Arbeitslosigkeit trotz langer Wirtschaftsflaute nicht stärker gestiegen ist, erklärt Snobe mit strukturellen Veränderungen. Das Arbeitskräftepotenzial wachse deutlich langsamer als früher. "Deswegen ist die Arbeitslosigkeit auch nach so einer lange andauernden Wirtschaftsschwäche nicht explodiert", wird Snobe in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Die steirische Quote lag 2025 bei 6,6 Prozent, ein Wert, der im langfristigen Vergleich nicht außergewöhnlich hoch ist.

Eine Frage des Alters

Sorgen bereitet dem AMS allerdings die Situation älterer Jobsuchender. Die Zahl der Arbeitslosen über 55 Jahre stieg 2025 um zehn Prozent.

AMS-Landesgeschäftsführerin Yvonne Popper-Pieber sieht hier ein klares Problem: "Wir merken immer wieder, dass Über-55-Jährige Schwierigkeiten haben, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Unabhängig davon, wie die Voraussetzungen sind." Selbst gute Qualifikation und volle Einsatzfähigkeit würden oft nicht reichen, das Alter spiele im Bewerbungsprozess weiterhin eine Rolle.

Im Video: Interview mit AMS-Chef Johannes Kopf

Und Snobe stellt in dem Gespräch klar: "Ja, die Anzahl der Arbeitslosen, die älter als 55 Jahre sind, nimmt stark zu. Aber wir sehen auch bereits eine deutliche Steigerung des Beschäftigungsvolumens in dieser Altersgruppe. Wenn Beschäftigung steigt, steigt auch die Zahl der arbeitslosen Personen. Aber ja, es stimmt, auch die Arbeitslosenquote ist bei dieser Gruppe ein bisschen höher. In der Steiermark sind es zwei Prozentpunkte Unterschied."

Gegensteuern will das AMS mit gezielten Programmen. Die Aktion 55+ soll Betriebe zum Umdenken bewegen. "Unsere Kolleginnen und Kollegen werden mit Unternehmen über Vorteile und Potenziale sprechen, die in der Zielgruppe 55+ stecken", sagt Popper-Pieber gegenüber der Tageszeitung. Unterstützt werde das durch Förderungen wie die Eingliederungsbeihilfe.

"Kein Wunderinstrument"

Diese sei kein Allheilmittel, betont Snobe in der "Kleinen Zeitung", helfe aber in der aktuellen Lage. "Die Eingliederungsbeihilfe ist kein Wunderinstrument, überhaupt nicht. Aber sie hilft gerade jetzt in der schwierigen wirtschaftlichen Phase." Gleichzeitig steige auch das Beschäftigungsvolumen bei den Über-55-Jährigen, was statistisch ebenfalls zu mehr Arbeitslosen führen könne.

Im Video: "Unglaubliche Tricks" – AMS-Berater packt jetzt aus

Auch politische Reformen beschäftigen das AMS. Die geplante Vereinheitlichung der Sozialhilfe sieht Snobe skeptisch. "Wenn ich mir den Wettbewerb einzelner Bundesländer im Bereich der Sozialhilfebeschränkungen anschaue, kann ich mir das nicht vorstellen, dass man auf ein einheitliches Niveau kommt." Bessere Datenschnittstellen zwischen Behörden hält er dagegen für realistisch, in der Steiermark funktioniere das bereits gut.

Klarer ist der Zeitplan bei der neuen Bildungskarenz. Popper-Pieber sagt gegenüber der "Kleinen Zeitung" dazu: "Der Plan ist, im Juni damit zu starten." Wichtig sei der Sommer, weil viele Ausbildungen im Herbst beginnen. Für 2026 stehen dafür 150 Millionen Euro zur Verfügung, das Budget sollte reichen.

Neue Regeln beim Zuverdienst

Mit Spannung beobachtet das AMS auch die neuen Regeln beim Zuverdienst zum Arbeitslosengeld. Ab März fallen viele Ausnahmen weg. "Ende Februar werden wir wissen, wie viele weniger wir in der geringfügigen Beschäftigung haben", sagt Snobe. Er rechnet damit, dass sich das auch in der Statistik niederschlagen wird.

Unterm Strich bleibt der Ausblick verhalten optimistisch: Keine großen Alarmsignale, aber Geduld ist gefragt – echte Entlastung am steirischen Jobmarkt erwartet das AMS erst im Spätsommer.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 06.02.2026, 20:12
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