"Ist sozial ungerecht"

Frecher AMS-Trick kostet Betroffene mehr als 6.000 Euro

Unternehmen "parken" Personal zwischen Aufträgen häufig beim AMS – das spart ihnen Geld, bringt Beschäftigten aber massive Einkommensverluste.
Peter Reidinger
31.01.2026, 19:57
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Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Win-win-Situation: Wenn Betriebe gerade weniger zu tun haben, melden sie ihre Leute kurzerhand beim AMS arbeitslos – um sie später wieder einzustellen. Doch was für Unternehmen ein praktisches Sparmodell ist, kommt andere laut Arbeiterkammer Oberösterreich (AK) teuer: Arbeitnehmer verlieren Tausende Euro, der Staat zahlt hunderte Millionen drauf.

Dieses sogenannte "Zwischenparken" ("temporäre Layoffs") betrifft jährlich rund 200.000 Dienstverhältnisse in Österreich. Wie eine neue Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) zeigt, ist das für die Betroffenen alles andere als harmlos: In den zehn Jahren nach der ersten Unterbrechung verdienen sie im Schnitt über 6.000 Euro weniger als vergleichbare Beschäftigte mit durchgängiger Anstellung. Das entspricht dem Preis eines gebrauchten Kleinwagens.

Die Forderungen der AK OÖ:
Um gegenzusteuern, schlägt die Arbeiterkammer Oberösterreich mehrere konkrete Maßnahmen vor:

Experience Rating: Betriebe, die häufig temporäre Layoffs einsetzen, sollen höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen. Wer stabil beschäftigt, soll entlastet werden.

Ein Monat Arbeitgeber-Pflicht: Als Übergangslösung soll der Betrieb den ersten Monat Arbeitslosengeld selbst zahlen. Das wäre laut AK pragmatisch, effektiv und administrativ einfach umzusetzen.

Strengere Kontrolle und alternative Modelle: Das AMS soll gezielter hinschauen, Kurzarbeit statt Layoffs fördern und Warnsysteme konsequenter einsetzen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten brauche es auch mehr Geld für aktive Arbeitsmarktpolitik.

Betroffene sind zudem über Jahre hinweg öfter und länger arbeitslos. Im Schnitt sind es 51 Tage mehr in den ersten fünf Jahren – auf zehn Jahre gerechnet kommt ein zusätzliches Arbeitslosenrisiko von rund drei Monaten zusammen. All das senkt nicht nur das laufende Einkommen, sondern auch künftige Pensionsansprüche.

"Praxis ist sozial ungerecht"

Firmen, die auf diese Praxis setzen, zahlen dafür kaum etwas. Denn die Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung sind für alle gleich, egal ob sie Personal durchgehend beschäftigen oder regelmäßig "zwischenparken". Das führt laut AK-Präsident Andreas Stangl zu massiven Fehlanreizen: "Diese Praxis ist sozial ungerecht, wirtschaftlich ineffizient und für den Staat sehr teuer."

Laut Berechnungen entstehen dem Staat durch diese Art von Personalkosten-Auslagerung jährlich bis zu 700 Millionen Euro. Geld, das für gezielte Arbeitsmarktpolitik fehlen könnte – das AMS OÖ könnte laut AK sein gesamtes Förderbudget mit nur einem Viertel dieser Summe verdoppeln.

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