Trotz Milchüberschuss

Streit um Schweizer Schokolade wegen Auslands-Milch

Schweizer Schokolade wirbt mit heimischer Milch, doch immer mehr davon kommt aus dem Ausland – auch wenn viele Hersteller das öffentlich bestreiten.
Nick Wolfinger
10.02.2026, 14:24
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Dieser Vorwurf trifft die Schweizer Schokoladeindustrie ins Mark: Obwohl im Vorjahr 126.000 Tonnen Schweizer Milch entsorgt werden mussten, weil es dafür keine Abnehmer gab, stammt jedes sechste Kilo Milch in der Schokoladeproduktion aus dem Ausland.

3,7 Millionen Tonnen Milch produzierten Schweizer Landwirte im Vorjahr – ein Plus von 10 Prozent (zum Vergleich: In Österreich waren es 2024 laut AMA-Marktbericht 4,07 Millionen Tonnen). Das ist jedenfalls mehr, als man im Inland verbrauchen oder exportieren kann. Ganze Lastwagenladungen an Milch mussten daher in den vergangenen Wochen vernichtet werden, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ).

Importverbot für Milch gefordert

Dieser Umstand sorgt nun für einen handfesten politischen Schlagabtausch in unserem Nachbarland. Die Schweizer Volkspartei (SVP) fordert ein sofortiges Importverbot für Milchpulver aus dem Ausland. Schweizer Produzenten sollen ausschließlich heimische Milch und heimisches Milchpulver verwenden.

Unterstützung kommt auch von den Grünen: Nationalrätin Meret Schneider schließt sich der Forderung nach einem Importstopp an: "Wir dürfen zur Traubensaison schließlich auch keine Trauben importieren", erklärte sie auf X.

Schoko-Hersteller in der Kritik

Eine Forderung, die vor allem die Schokoladenindustrie betrifft. Diese importierte im Vorjahr 1.824 Tonnen Milchpulver. Ein Plus von 80 % im Vergleich zu 2024. Der Grund liegt auf der Hand: Der Preis. Milch und Milchpulver aus Frankreich, Deutschland und Österreich sind um etwa ein Drittel billiger als Schweizer Milch.

Wie heikel das Thema ist, zeigt der Umstand, dass kein Schweizer Schokoladenhersteller offen zugibt, Milchpulver aus dem Ausland zu importieren. Alle großen Schokoladenhersteller, von Lindt & Sprüngli über Mondelez ("Toblerone"), Läderach, Felchlin, Nestlé und die Supermarkt-Eigenmarken "Frey" (Migros) und "Halba" (Coop) beteuern auf Anfrage der NZZ, ausschließlich Schweizer Milch bzw. Milchpulver zu verwenden.

Bauernverband erhebt Vorwürfe

"Wenn man sich die Importzahlen anschaut, muss man davon ausgehen, dass manche nicht die Wahrheit sagen", sagt dazu Stefan Kohler von der Branchenorganisation Milch (BOM) laut "NZZ". Das Bundesamt für Zoll erklärt, nur die Importmengen, nicht jedoch die Verbraucher zu kennen.

Zweifel kommen Beobachtern der Branche vor allem beim "Toblerone"-Hersteller Mondelez. Dieser hatte erst 2023 ein Werk aus Kostengründen in die Slowakei verlegt, dafür die Schweizer Fahne vom Verpackungsdesign entfernt.

Der Schweizer Bauernverband erhebt daher schwere Vorwürfe: "Internationale Firmen wie Mondelez identifizieren sich nicht mit der Schweiz und unserer Landwirtschaft. Dort zählt vor allem die Gewinnmaximierung", sagte eine Sprecherin zur "NZZ".

Importstopp schwer umsetzbar

Ob die Politik nun wirklich mit einem Importstopp-Gesetz für ausländische Milch reagiert, und ob dies ob der engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit der EU überhaupt durchsetzbar wäre, wird sich zeigen. Fakt ist aber: Die Schweizer Milchwirtschaft, symbolisiert durch Weiden, Almen und Kuhherden, ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Schweizer Selbstbildes und wird – ähnlich wie auch in Österreich – mit allen Mitteln verteidigt.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 10.02.2026, 14:36, 10.02.2026, 14:24
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