Das Henne-Ei-Dilemma der E-Mobilität gilt als überwunden: In Deutschland gibt es mittlerweile über 200.000 öffentliche Ladepunkte. Die Reichweitenangst gehört der Vergangenheit an - der nächste Ladepunkt ist im Schnitt nur sieben Minuten entfernt.
Doch die Betreiber der Ladesäulen sind alles andere als glücklich. Laut dem aktuellen Elektromobilitätsmonitor des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegt die durchschnittliche Auslastung der Säulen bei nur zwölf Prozent. Selbst tagsüber kommen AC-Normallader nur auf 17 Prozent, DC-Schnelllader auf magere 12 Prozent.
Doch der Schein trügt, wie chip.de berichtet. Die Zahl der Ladevorgänge an öffentlichen Säulen ist im Jahresvergleich um rund 50 Prozent gestiegen. Allein im Dezember 2025 wurden beeindruckende 6,8 Millionen Ladevorgänge erfasst. Von Unterauslastung kann also keine Rede sein.
Der Schlüssel liegt im veränderten Nutzerverhalten. Wer keine eigene Wallbox hat, lässt sein Auto nicht mehr über Nacht an einem langsamen öffentlichen Lader stehen. Stattdessen fahren diese E-Auto-Fahrer einmal pro Woche gezielt zu einem Schnelllader und verbinden den kurzen Ladestopp clever mit dem Wochenendeinkauf.
Wer an einem Schnelllader mit 200 kW lädt, belegt die Säule typischerweise nur rund 20 Minuten. Eine zeitliche Belegung von 16 Prozent zeigt daher keine mangelnde Rentabilität - sondern eine sehr effiziente Nutzung.
Auch bei den Kosten haben die E-Auto-Fahrer dazugelernt: 84 Prozent der Fahrer geben an, noch nie mehr als 80 Cent pro Kilowattstunde bezahlt zu haben. Der Grund: Mehr als die Hälfte nutzt Apps, um Tarife zu vergleichen. Der durchschnittliche Mindestpreis liegt bei 53,6 Cent - weit unter den Höchstpreisen von rund einem Euro.
Das Fazit für Betreiber ist klar: Wer profitabel sein will, muss Schnelllader dort aufstellen, wo sich der Alltag der Menschen abspielt - etwa bei Supermärkten. Die bloße Zahl der Säulen bringt nichts, wenn Standort und Leistung nicht stimmen.