Falsche Kennzahl

E-Auto-Fahrer zu schlau für Ladesäulen-Branche

Ladepunkte seien kaum ausgelastet, jammert die Energiebranche. Doch das Problem ist hausgemacht – denn E-Auto-Fahrer haben längst dazugelernt.
Digital  Heute
29.04.2026, 16:40
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Über 200.000 öffentliche Ladepunkte gibt es mittlerweile in Deutschland. Das Netz ist so dicht, dass der nächste Ladepunkt im Schnitt nur sieben Minuten entfernt liegt. Eigentlich ein Grund zur Freude – wäre da nicht das Gejammer der Betreiber.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) klagt in seinem neuen Elektromobilitätsmonitor 2026 über mangelnde Profite. Im Schnitt seien die Säulen nur zu zwölf Prozent ausgelastet, selbst tagsüber kämen AC-Normallader nur auf 17 Prozent Belegung.

Doch wie chip.de unter Berufung auf Daten des Dienstleisters Cirrantic berichtet, ist diese Zahl irreführend. Denn die Zahl der Ladevorgänge ist im Jahresvergleich um rund 50 Prozent gestiegen – allein im Dezember 2025 wurden beeindruckende 6,8 Millionen Ladevorgänge erfasst.

Schnellladen ändert alles

Der Grund für die scheinbar niedrige Auslastung: E-Auto-Fahrer haben ihr Verhalten geändert. Statt stundenlang an langsamen Säulen zu hängen, nutzen sie bevorzugt Schnelllader. Ein Ladevorgang am HPC-Lader mit 200 kW dauert nur rund 20 Minuten – eine zeitliche Belegung von 16 Prozent bedeutet hier also sehr effiziente Nutzung.

Dazu sind die Fahrer preisbewusst: Mehr als die Hälfte nutzt Apps zum Tarifvergleich. Das Ergebnis: 84 Prozent geben an, noch nie mehr als 80 Cent pro Kilowattstunde bezahlt zu haben. 86 Prozent sind mit dem öffentlichen Laden zufrieden.

Das echte Problem der Branche

Für die Betreiber bedeutet das: Das Problem liegt nicht bei zu wenig E-Autos, sondern bei schlecht platzierten Säulen mit zu geringer Ladeleistung. Viele AC-Lader, an denen man sein Auto über Nacht abstellen soll, werden schlicht nicht mehr gebraucht.

Denn wer keine eigene Wallbox hat, fährt heute lieber einmal pro Woche zum Schnelllader – und verbindet den kurzen Ladestopp gleich praktisch mit dem Wochenendeinkauf. Die Branche muss also umdenken: Nicht planlos neue Säulen aufstellen, sondern dort investieren, wo der Alltag der Menschen tatsächlich stattfindet.

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