Elektroautos bewegen sich bei niedrigen Geschwindigkeiten nahezu lautlos - und genau das wird für Fußgänger zum Problem. Eine neue Auswertung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt, dass E-Autos bei langsamer Fahrt deutlich häufiger Passanten erfassen als baugleiche Verbrenner.
Besonders auffällig sind die Unterschiede beim Anfahren aus dem Stand, beim Rückwärtsfahren und beim Abbiegen in der Dämmerung. Von den analysierten Fußgängerunfällen mit E-Autos ereigneten sich 76 Prozent in Situationen, in denen das vorgeschriebene Warngeräusch AVAS eigentlich wirken sollte. Bei Verbrennern lag dieser Anteil nur bei 54 Prozent.
Wie forschung-und-wissen.de berichtet, sieht UDV-Leiterin Kirstin Zeidler die künstlichen Fahrgeräusche als "womöglich nicht hörbar genug". Die Klänge ließen sich zudem nicht eindeutig einem Pkw zuordnen. Die Forscher empfehlen daher deutlichere akustische Signale, die schon im Stand die Anfahrbereitschaft signalisieren.
Ein weiterer Befund betrifft das sogenannte One-Pedal-Drive, bei dem sich Beschleunigen und Bremsen über ein einziges Pedal steuern lässt. In neun der untersuchten Fälle beschleunigten E-Autos beim Anfahren ungewollt - bei Verbrennern war es nur ein Fall.
Auffällig: Fast jeder zweite betroffene Fahrer war älter als 75 Jahre. Die Forscher vermuten, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Stresssituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann.
Trotz der kritischen Befunde betonen die Wissenschaftler: "Unsere Ergebnisse sind ausdrücklich kein Argument gegen die Elektromobilität." Kleinere E-Modelle schützen ihre Insassen sogar besser als vergleichbare Verbrenner.
Die konkreten Empfehlungen richten sich an Hersteller und Politik: bessere Warngeräusche bei niedrigen Geschwindigkeiten, aktive Sicherheitssysteme gegen abruptes Anfahren und Gewichtseinsparungen zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer.