Frau holte sich Hilfe

Ehemann schwer krank – "Ich funktioniere nur mehr"

Viele Menschen sind mit Trauer völlig überfordert. Experten erklären, was im Ernstfall passiert – und wo sich Betroffene Hilfe holen können.
Oberösterreich Heute
27.03.2026, 03:00
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Eine Diagnose, ein Anruf in der Nacht, ein leerer Platz am Tisch: Der Tod trifft Menschen oft mitten im Alltag und damit völlig unvorbereitet. Anlässlich einer Fachtagung in Wels schilderten Experten, was dann passiert – und warum viele Menschen mit Verlust so schwer umgehen können.

Trauer werde uns nämlich oft früh "abtrainiert", erklärt Familientrauer-Begleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper. Schon kleinen Kindern werde signalisiert, dass Weinen, Kummer oder laute Gefühle möglichst schnell verschwinden sollen – etwa mit Schnuller, Ablenkung oder Belohnungen, wenn sie wieder ruhig sind. Das Problem: Später fehle vielen genau dadurch ein gesunder Zugang zu Schmerz und Verlust.

"Darf ich überhaupt trauern?"

Wie sich das im Ernstfall zeigt, schilderten auch Berater aus ihrer Praxis: Eine Mutter, Mitte 40, organisiert nach der schweren Erkrankung ihres Mannes weiter den Alltag. Arzttermine, Kinder, Haushalt. Nach außen läuft alles. Doch innerlich ist nichts mehr stabil. "Ich funktioniere. Aber ich weiß nicht mehr, wo oben und unten ist", sagt sie in der Beratung – und findet dort erstmals Raum, nicht stark sein zu müssen.

Ein anderer Fall: Ein Vater verliert seinen besten Freund ganz plötzlich durch einen Motorradunfall. Aus seinem Umfeld hört er nur: "Sei stark." Doch er kann es nicht. In der Beratung stellt er die Frage, die viele beschäftigt: "Darf ich überhaupt trauern – er war ja kein Familienmitglied?" Die Antwort ist eindeutig: "Trauer braucht keine Verwandtschaftsurkunde", sagt Klemens Hafner-Hanner, Teamleiter der Familienberatung bei "Beziehungleben.at".

Kinder trauern anders

Besonders aufmerksam müsse man laut Schroeter-Rupieper auf Kinder und Jugendliche schauen. Sie trauern oft anders als Erwachsene, reagieren verzögert, ziehen sich zurück oder wirken zunächst unauffällig. Das werde im Umfeld oft missverstanden. Gerade deshalb brauche es ehrliche Information, klare Sprache und Erwachsene, die Kinder in Abschiede einbeziehen, statt sie aus Unsicherheit außen vorzulassen.

Hier bekommen Betroffene Hilfe

Die Telefonseelsorge ist in Krisen und akuten Belastungssituationen rund um die Uhr kostenlos und anonym unter der Notrufnummer 142 erreichbar. Wer lieber schreibt als telefoniert, kann sich täglich von 16 bis 23 Uhr auch an die kostenlose Online-Beratung der Telefonseelsorge wenden.

Auch Beziehungleben.at bietet Unterstützung für Menschen in belastenden Lebenssituationen an. In OÖ stehen dafür 27 Beratungsstellen zur Verfügung, damit Betroffene in jedem Bezirk eine Anlaufstelle finden können. Das Angebot richtet sich an Einzelpersonen, Paare und Familien, die in schwierigen Phasen Orientierung und Begleitung suchen.

Anlass der Pressekonferenz ist eine Fachtagung am Freitag in Wels. Dort geht es um die Frage, wie Menschen auf den plötzlichen Tod von Angehörigen reagieren, welche Dynamiken daraus entstehen und wie Betroffene bei Schock und Trauer unterstützt werden können. Veranstalter sind Telefonseelsorge 142, Notfallseelsorge OÖ, Trauerpastoral und Beziehungleben.at.

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