Während wir in Österreich und unsere Schweizer Nachbarn alle 104 Spiele im frei empfangbaren Fernsehen sehen können, haben die Fans in Indien und China das Nachsehen. So sind für die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde – zusammen rund ein Drittel der Weltbevölkerung – die Verhandlungen mit der FIFA aber ins Stocken geraten.
Laut einer Recherche von Reuters verlangt die FIFA für die Übertragungsrechte in Indien satte 100 Millionen Dollar. Bis jetzt hat nur der Medienriese Reliance-Disney ein Angebot gelegt, das allerdings mit 20 Millionen Dollar weit unter der Forderung liegt.
Mit über 1,4 Milliarden Menschen wäre der indische Markt so groß wie kein anderer. Da stellt sich die Frage, warum sich nicht mehr Anbieter für die Übertragungsrechte interessieren. Die Gründe sind vielfältig. Verglichen mit dem indischen Nationalsport Cricket ist das Interesse am Fussball eher gering. Zusätzlich hat sich die indische Nationalmannschaft nicht für die WM qualifiziert.
Dazu kommt die Zeitverschiebung: Die meisten Spiele laufen wegen der zehn bis zwölf Stunden Unterschied in Indien mitten in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Kein Wunder, dass die TV-Anbieter genau rechnen, ob sich die teuren Rechte mit Werbung und Abos überhaupt auszahlen.
Auch China, das seit 2023 hinter Indien nur noch das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt ist, steht wenige Wochen vor dem WM-Start noch ohne abgeschlossenen TV-Vertrag da. Die Gründe sind laut Reuters unklar. Bei der chinesischen Bevölkerung dürfte das Interesse sicherlich da sein, gilt diese doch als weitaus fußballinteressierter als die indische Bevölkerung. Wie Indien ist jedoch auch China nicht für die WM qualifiziert. Die Qualifikation verpasste man als Zweitletzter der Gruppe deutlich.
Die Zeit wird knapp: Noch hat die FIFA den geforderten Preis nicht gesenkt, aber es ist gut möglich, dass sie kurz vor WM-Beginn noch einlenkt. Bei der letzten WM 2022 gingen die Rechte in Indien für 60 Millionen Dollar an Reliance-Disney. Sollte diesmal keine Einigung erzielt werden, könnten tatsächlich ein Drittel der Weltbevölkerung die WM am Fernseher verpassen.