"Ein Kamelschnitzel, bitte!" Wird das bestellt, hören neue Gäste oft zweimal hin. Mit Kamelfleisch hat die Spezialität aber nichts zu tun – vielmehr steckt dahinter ein Wiener Klassiker, den die neue "Chillerei" am Mühlwasser serviert, angelehnt an das als Fingerfood aufgeschnittene Schnitzel aus dem "Schwarzen Kameel" in Wien.
Hinter dem Produkt steht Peter Mayer. Unterstützung bekommt er von Manfred Hamal, Gastronom mit 30 Jahren Erfahrung. Gemeinsam haben sich die beiden mit dem neuen Lokal in der Lobau einen Traum erfüllt. "Für mich ist die Gegend hier das Beste, eine Oase", schwärmt Mayer. "Wir sind direkt am Wasser, haben hier Schwäne, Enten, Fische und Eichhörnchen. Die Natur ist so schön."
20 Jahre war der Wiener im Management tätig, bis sein Vertrag auslief. "Für mich war es die Chance, etwas Neues zu machen", erinnert er sich. Nach einer Ausbildung im Ernährungsbereich und einer Tätigkeit in der Gesundheitsberatung war aber auch klar: "Das allein ist mir zu wenig." Als ein Lokal in der Lobaustraße (Donaustadt) in Konkurs ging, startete Mayer direkt am Mühlwasser die "Chillerei". Der Name soll hier Programm sein, betont er: "Es soll eine Auszeit am Wasser sein, ein Kurzurlaub in der Stadt. Gerade jetzt, wo sich nicht jeder Urlaub leisten kann. Hier kann man runterkommen, es ist gemütlich und nicht hektisch."
Die Karte wechselt wöchentlich, angeboten werden neben Wiener Schmankerl (Rindergulasch, 14,90 Euro, Hühnerschnitzel, 13,90 Euro oder Würstel, 8.90 Euro) auch vegane Gerichte wie Kichererbsencurry (13,90) und Fisch (Seeteufelspieße mit Couscous Salat, 23,90 Euro). Unter der Woche gibt es Mittagsmenüs, jedes Wochenende ein "Wochenend-Highlight." Bei den Getränken setzt man neben den Klassikern auf Bio-Weine von Siegert aus dem Weinviertel sowie Storchenbräu-Bier aus dem Marchfeld.
Für besonderes Aufsehen sorgt stets das "Kamelschnitzel" in der Karte. "Uns war anfangs nicht bewusst, dass die Leute darüber reden", lacht der Chef. "Aber mittlerweile haben wir schon witzige Rückmeldungen erhalten, dass wir die einzigen sind, die Kamelfleisch hier anbieten." Tatsächlich handelt es sich jedoch um Hühnerschnitzel, die aufgeschnitten und als Fingerfood mit Zahnstochern serviert werden. "Ich war Stammgast im Schwarzen Kameel und immer fasziniert davon, das Schnitzel quasi als Snack in der Mitte zu teilen", erklärt Mayer.
Bei den Produkten achte er auf Qualität, das Bio-Gemüse stammt von "Vielfalt Mader", das Rindfleisch vom Weiderind, von Mastfleisch hält Mayer nichts. "Mir geht es um die Tierhaltung, aber auch um die Gesundheit", so der Wiener. Sehr viele Produkte, etwa die Sauce Tartare, aber auch ein Low Carb Brot, werden selbst gemacht.
Im Winter soll dank Schwedenofen und Fondue-Angebot die Outdoor-Location in eine Indoor-Location umgewandelt werden. Auch Feiern und Public Viewings bieten die Gastronomen an – 35 Plätze stehen im Lokal zur Verfügung, auf der wetterfesten Terrasse sind es 75. Hunde sind willkommen – in der Lobau wäre das auch kaum anders möglich, gibt man zu.