Eine Le-Mans-Ausrüstung für den Privatfahrer

Als 1952 der Austin-Healey 100 erstmals gezeigt wurde, stieß er auf enormes Interesse. Es gab keinen günstigeren 170-km/h-Sportwagen.
Die Presse reagierte begeistert auf das Erscheinen des Austin-Healey 100 anlässlich der Earls Court Motorshow in London im Oktober 1952. Für 850 britische Pfund wurde den Besuchern ein hinreißend aussehender Sportwagen mit einem Leistungsgewicht von 10 Kilo pro PS präsentiert.

Statt einer normalen Testfahrt auf öffentlichen Straßen erhielt der britische Journalist John Bolster die Gelegenheit, den Sportwagen im Prototypenstatus auf der berühmten Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Jabekke in Belgien zu fahren. Dabei handelte es sich um eine lange Gerade, die hohe Geschwindigkeiten zuließ, aber nicht gesperrt war. So begegneten dem Testfahrer bei seinen Messfahrten nicht nur Lastwagen, sondern auch Kühe, was ihm erlaubte, gleich auch noch mehrfaches Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten zu prüfen.

Rekorde zum Einstand

Trotzdem erreichte Bolster 106 Meilen pro Stunde, umgerechnet fast 174 km/h. Nicht schlecht für einen Sportwagen, der kaum mehr kostete als eine gemütliche Limousine. Noch schneller ging es dann in den USA, wo Donald Healey 229,45 km/h über eine Meile erreichte. Hier dürfte die Motorleistung allerdings deutlich mehr als 110 PS betragen haben.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. 21 Sekunden dauerte der Spurt von 0 auf 130 km/h, und auch die Straßenlage bewegte sich auf oberstem Niveau. Die Technik war anspruchslos, denn Motor und Getriebe stammten aus dem Austin-Regal. Im Healey genügten vorerst drei Gänge und ein Overdrive, um die überdurchschnittlichen Fahrleistungen zu realisieren.

Le-Mans-Erfolg

Für das Jahr 1953 meldete Donald Healey gleich zwei seiner Austin-Healey für die 24 Stunden von Le Mans an. Gefahren wurden die leicht modifizierten Sportwagen jeweils von einem holländisch- respektive französisch-britischen Duo. Den einen Wagen fuhren Maurice Gatsonides und Johnny Locket, den anderen Marcel Becquart und Gordon Wilkins. Ohne größere Probleme erreichten die zuverlässigen Autos den 12. und 14. Platz, allerdings fast 40 Runden hinter den Klassensiegern Maurice Trintignant/Harry Schell auf einem Gordini T26 S.

Der Erfolg wurde natürlich sofort in kommerzielle Aktionen umgesetzt. Besitzer des Erstgenerations-Austin-Healey BN1 konnten alsbald ein Tuning-Kit bestellen, das unter anderem eine sportlichere Vergaserbestückung und andere Verbesserungen beinhaltete und damit die Motorleistung auf 100 PS anhob.

Serienausführung im BN2

Im Oktober 1955 erschien der leicht verbesserte Typ BN2 an der Londoner Automobilausstellung. Und mit ihm gab es nun auch das Le-Mans-Kit direkt ab Werk (als Typ 100M) eingebaut. Damit erhielt man 111 PS und eine Haube mit Lüftungsschlitzen, wie sie die Rennwagen gehabt hatten. Inzwischen verfügte das Getriebe auch über vier Gänge.

Nur bis 1956 wurde der 4-Zylinder-Austin-Healey gebaut, dann ersetzte ihn ein verstärkter, auf Komfort ausgerichteter Sechszylinder. Nicht ganz 15.000 Vierzylinder-Varianten waren entstanden. Viele haben überlebt, nur wenige davon dürften werksgefertigte 100-M-Versionen gewesen sein, wie der abgebildete silberne Wagen.

Weitere Informationen und viele Bilder zum Austin-Healey 100M gibt es auf www.zwischengas.com.

(red)

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