Die österreichische Eishockey-Kapitänin Anna Meixner und weitere Leistungsträgerinnen des Teams erwägen, die historische A-WM im November zu boykottieren. Sie fühlen sich nicht ausreichend respektiert und kritisieren die Bedingungen sowie den Umgang des Verbands mit dem Damen-Nationalteam scharf. Inzwischen hat der ÖEHV auf den Spielerinnen-Aufstand reagiert.
"Genug ist genug. Unter dieser Führung und diesen Bedingungen werden wir nicht mehr für Österreich spielen", erklärt Meixner in einer Aussendung der younion-Sportgewerkschaft.
Vor allem der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein. Österreich gelang erstmals der Aufstieg in die Top Division und damit unter die zehn besten Nationen der Welt. Bei der A-WM in Dänemark könnte das ÖEHV-Team nun aber ausgerechnet auf mehrere seiner wichtigsten Spielerinnen verzichten müssen.
Ein zentraler Streitpunkt ist die finanzielle Abgeltung bei Trainingscamps und Turnieren. Die Spielerinnen fordern ein Taggeld, wie es dieses auch beim Männer-Nationalteam gibt. Doch ums Geld allein gehe es nicht.
"Ich bin von der Art und Weise, wie die Verantwortlichen mit unserem Staff und unseren Spielerinnen umgehen, maßlos enttäuscht und will mich mit diesen Werten nicht identifizieren", sagt Meixner gegenüber der "Kronen Zeitung". Sie zieht eine klare Konsequenz in Betracht: "Wenn nichts hilft und die Verantwortlichen nur so zur Vernunft zu bringen sind, bin ich bereit, auf die A-WM zu verzichten. Damit es der nächsten Generation besser geht." Bereits beim Vorbereitungscamp ab 17. August sollen wichtige Spielerinnen fehlen.
Auch Verteidigerin Antonia Matzka erhebt schwere Vorwürfe. Spielerinnen hätten laut ihren Angaben teilweise in Stockbetten schlafen müssen. Im Jänner habe sich das Team in einer Hütte ohne Heizung umgezogen. Als Teamkleidung seien zudem Restbestände der Männer ausgegeben worden, die den Spielerinnen teilweise nicht richtig passten.
Für zusätzlichen Ärger sorgen kurzfristige Einberufungen sowie die Entfernung langjähriger Betreuer aus dem Team. "Das Vertrauen zwischen Spielerinnen und der Führung ist nicht mehr da", sagt Matzka. Die younion-Sportgewerkschaft fordert mittlerweile das Sportministerium auf, die Vorgänge im Verband zu prüfen.
Nun meldet sich auch der ÖEHV zu Wort. Der Verband nehme die Anliegen der Spielerinnen "sehr ernst" und arbeite bereits seit Monaten "mit Nachdruck an nachhaltigen Lösungen".
Ab 2027 soll ein neues Vergütungs- und Entschädigungsmodell für alle drei Senioren-Nationalteams eingeführt werden. Zu einzelnen Personalentscheidungen und internen Gesprächen will sich der Verband nicht öffentlich äußern.
Eine "sachliche und respektvolle Klärung" sei wichtiger als eine über die Medien geführte Auseinandersetzung. Das große Ziel bleibe die erfolgreiche Teilnahme an der A-WM im November.