"Elden Ring" angespielt – das "Demon's Souls 2.0"

Nach bombastischen Trailern ließ sich das gehypte Action-Rollenspiel "Elden Ring" in einem Netzwerktest erstmals anspielen. Der Eindruck ist grandios.

Hardcore-Rollenspieler wird es freuen, denn "Elden Ring" zeigt sich im Netzwerktest beim ersten Anspielen genau wenig verzeihend wie die geistigen Vorgänger "Demon's Souls" und Dark Souls". Und das generelle Prinzip der From-Software-Games wurde beibehalten: Spielen, scheitern, Hunderte Male "Ihr seid gestorben", aus Fehlern lernen und beinharte Feinde und Bosse schließlich meistern, nur um kurz danach wieder an die eigenen Grenzen zu gelangen. Kenner dürfen jubeln!

Was der Netzwerktest aber auch zeigt, und das schon jetzt, ist Folgendes: "Elden Ring" setzt mit Kampfgeschehen, kryptischen Botschaften und dem Schweirigkeitsgrad zwar vor allem auf den Genre-Erstling "Demon's Souls", macht daraus aber auch eine Spiel mit modernster Technik, neuesten Verbesserungen, innovativen Änderungen und vor allem gigantischen Potenzial. "Heute" durfte in das Game hineinschnuppern – und sich im ersten Gebiet der offenen Spielwelt genauer umsehen.

Allerlei Bekanntes und viele Neuerungen

Bevor es aber in die riesige neue Spielwelt geht, in der man sich frei bewegen darf, statt auf schlachartige Passagen begrenzt zu sein, geht es an die Charakterauswahl. Dabei stehen bisher fünf Klassen in jeweils weiblicher und männlicher Ausführung parat, die klingende Namen wie "Held" oder "Krieger" in die Spielwelt. Neu dabei: Die Klassen unterscheiden sich nicht nur bei der Ausrüstung, sondern auch optisch anhand der getroffenen Auswahl. Danach geht es erst einmal typisch los: Über Schriftzeichen am Boden der Spielwelt lernt man die wichtigsten Befehle und kann sie gleich an ersten Feinden testen.

Eine Comeback feiert auch das Hinweissystem, mit dem Spieler kurze Botschaften in der Spielwelt hinterlassen und damit auf Feinde, Fallen und Fundstücke hinweisen können. Gestartet wird in einer kleinen Höhle, in der es gilt, eine Handvoll der simpelsten Feinde und einen Ritter samt Schild auszuschalten, wobei dieser schon eine nette Herausforderung darstellt. Sein Schild lässt sich nämlich nur mit magischen Angriffen oder einem gut getimten Konter überwinden – die Konter-Funktion kennt man ebenfalls aus "Demon's Souls" und sie erfordert auch in "Elden Ring" beinahe übermenschlich schnelle Reaktion.

Das gab es in den Soulslike-Games noch nie

Sind die ersten Feinde gefallen, und ist der erste Mini-Boss – ein etwas stärkerer Ritter mit schnelleren Attacken – besiegt, tritt man aus der Höhle und darf die Spielwelt in ihrer vollen Pracht bewundern. Und das gab es in den Soulslike-Games noch nie: Soweit das Auge reicht, lebt die Welt! Gräser wiegen sich im Wind, leuchtende Strahlen funkeln am Himmel, durch Sträucher und über Wiesen jagen hasen- und ziegenartige Wesen und nicht nur Feinde, sondern auch Mini-Bosse lassen sich aus weiter Ferne erkennen. Ressourcen lassen sich zudem von leuchtenden Plätzen aufheben oder direkt von den Sträuchern pflücken.

Ebenfalls neu ist, dass der Spieler nicht zu Fuß herumrennen muss, sondern weite Strecken mit seinem Schlachtross zurücklegen, auf diesem aber auch kämpfen darf. Das gibt doppelte Freiheit: "Elden Ring" schreibt euch weder vor, wohin ihr gehen müsst, noch wie ihr die Feinde und Bosse bekämpft. Dass die riesige Spielwelt auch tatsächlich erkundet wird, wird geschickt forciert: Immer wieder stößt man auf Geheimnisse, kleine Nebenquests und überraschende Feinde und wird bei den Begegnungen mit allerhand Materialien belohnt, deren Nutzen man im Inventarsystem nachlesen kann.

Vertrautes Gameplay, aber besser denn je

Generell legt das Spiel auch die Trägheit der geistigen Vorgänger ab. Sowohl das Erkunden als auch der Kampf wirken dynamischer, schneller und actionorientierter, ohne dabei auf die grundlegenden Mechaniken zu vergessen. Neben leichten und schweren sowie magischen Angriffen gibt es wieder Blocks und Ausweichrollen sowie Konter und Überraschungsattacken in den Rücken unvorsichtiger Feinde. Neu hinzu kommt die Möglichkeit, zu springen und damit im Kampf auch eine Sprungattacke zu nutzen. Das spielt sich für "Souls"-Kenner vertraut, aber besser denn je.

Segnet man das Zeitliche, ist der Ablauf ebenso bekannt: Man hat als Spieler eine Chance, sich die zum Aufleveln benötigten Runen – quasi die Erfahrungspunkte des Spiels – am Todesort wieder aufzusammeln. Gelingt das nicht, müssen sie neu erarbeitet werden. Bei jedem Spieltod sowie jedem Rasten an den "Orten der Gnade" genannten Checkpoints des Spiels, an denen Item-Vorräte aufgefrischt und das Inventar verwaltet werden kann, erscheinen alle besiegten Standard-Feinde wieder in der Spielwelt. Bosse nicht, und von denen hat das erste Gebiet des Spiels bereits einige zu bieten.

Wohl etwas zugänglicher für Neulinge

Neu im Kampf ist, dass man nicht nur für eine direkte Boss-Begegnung, sondern jederzeit einen oder zwei Spieler zu Hilfe rufen darf – wobei diese entweder unsere Spielwelt betreten oder wir in die Spielwelt eines anderen Spielers geladen werden. Solo stellten ein gigantischer Schwertritter zu Pferd, ein Drache mit Flammenatem und ein gigantischer Troll mit Aggressionsproblem fast unüberwindbare Hindernisse da – zu dritt fielen sie aber allesamt relativ schnell den vereinten Kräften zum Opfer. "Elden Ring" macht es damit auch Neulingen einfacher, besonders fordernde Kämpfe zu schaffen.

In Sicherheit wiegen kann man sich aber auch gut ausgerüstet und hochgelevelt nicht, denn vor allem Bosse leeren die Lebensleiste des Spielers oft mit nur zwei Attacken. In Sachen Gegner-Härte gehen die Entwickler also keinerlei Kompromisse ein, und das ist gut so. Sehr wohl aber darf man in Sachen Spielwelt, Umfang und Möglichkeiten gespannt sein, denn den ersten Eindrücken nach wird "Elden Ring" gigantischer als jedes bisherige Game des Genres. Wenig wird indes von der Story verraten: Der Spieler erkundet als "Befleckter" das Zwischenland und soll sich vom titelgebenden Eldenring leiten lassen, um zum Eldenfürsten aufzusteigen.

Was man noch von "Elden Ring" erwarten darf

Gar nicht klassisch und bisher in keinem "Souls"-Game im Einsatz soll es in "Elden Ring" auch einen fließender Tag-Nacht-Wechsel, der nicht nur die Optik der Spielwelt, sondern auch die Inhalte verändern soll, geben. Er soll auch Auswirkungen auf die Erkennbarkeit unserer Spielfigur durch Feinde und auf die Zugänglichkeit von Arealen haben. Generell soll es bei den Gebieten sowieso kein Abarbeiten aller Orte geben: Der Spieler soll in hohem Maße selbst entscheiden können, welche Gebiete er absolviert und welches der sechs großen Dungeons in der Spielwelt er erledigt.

Nach den wenigen Spielstunden im Netzwerktest lässt sich behaupten, dass "Elden Ring" eine hervorragende Balance zwischen neuen Gameplay-Elementen und bekannten "Souls"-Mechaniken bietet, wobei man bei Kampf, Kontern und der Steuerung sowie den Storyfetzen vor allem an "Demon's Souls" erinnert wird. Das Tempo zieht dagegen deutlich an, die Grafik macht einen hervorragenden Eindruck und mit Pferd, Sprung und noch intensiveren Koop-Möglichkeiten kann man fast schon von einem "Demon's Souls 2.0" sprechen. Was "Elden Ring" wirklich zu bieten hat und ob es sich an die Spitze der Soulslike-Spiele setzen kann, wird sich beim Release am 25. Februar 2022 zeigen.

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