Cristiano Ronaldo ging wie gewohnt voran, beim Training im sonnigen Palm Beach präsentierte sich der 41-Jährige bestens gelaunt und scherzte mit seinen Teamkollegen.
Selbstzweifel? Fehlanzeige! Und auch die vermeintlichen teaminternen Spannungen räumte er mit zwei Worten aus der Welt: "Siempre Unidos" (immer vereint), schrieb er unter ein Trainingsbild bei Instagram, auf dem auch Joao Neves beide Daumen hebt.
Doch hinter den Kulissen des WM-Mitfavoriten brodelt es nach dem enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen die DR Kongo gewaltig - mit Superstar Ronaldo im Zentrum der Debatte. Ist der fünfmalige Weltfußballer noch gut genug oder doch eher hinderlich für die Titelmission? Der Elefant im Raum spaltet Portugal.
Die Stimmen prominenter TV-Experten sprechen eine klare Sprache. Thierry Henry warf dem fünfmaligen Weltfußballer bei FOX blanken Egoismus vor, Kevin-Prince Boateng meinte im australischen Fernsehen, dass Portugal ohne ihn "eine bessere Mannschaft" sei. Christian Streich erklärte im ZDF, dass er aus taktischen Gründen wohl auf ihn verzichten würde. Und Christoph Kramer mutmaßte, dass viele portugiesische Nationalspieler insgeheim lieber ohne Ronaldo auflaufen würden.
"Er unterscheidet sich nicht von den anderen Spielern", hatte PSG-Profi Neves die Rolle Ronaldos nach dem Auftakt heruntergespielt - und damit zusätzlich noch einen Shitstorm und Eklat in den Sozialen Netzwerken ausgelöst. Ein angeblicher Instagram-Kommentar von Neves-Freundin Madalena Aragao, die immerhin eine Million Follower hat und Ronaldo als "eigensinnig" bezeichnet haben soll, fachte das Feuer weiter an - war aber wohl gefälscht. Sogar Ronaldos Schwestern hatten sich eingeschaltet.
Und der Superstar selbst? Hat sich nach Spiel eins in Houston bislang nur via Social Media geäußert. "Fokussiert auf die Mission", schrieb er zuletzt am Sonntag. In sämtlichen Presserunden bemühen sich stattdessen seine Teamkollegen, eine Einheit zu beschwören.
"Wenn ihr mit uns rudern wollt, dann rudern wir. Das Boot wird nicht kentern", antwortete Außenverteidiger Diogo Dalot auf die starke Kritik, die seit Samstag auf die Mannschaft und insbesondere Ronaldo von außen einprasselt: "Wir sitzen alle im selben Boot. Gemeinsam sind wir stark."
Auch Nationaltrainer Roberto Martínez hatte seine Entscheidung pro Ronaldo im Sturmzentrum vehement verteidigt. "Wenn man Tore benötigt, muss man Cristiano Ronaldo auf dem Platz haben", sagte der 52-Jährige nach dem Auftaktspiel. Pikant: Martínez, der sein Amt nach der WM niederlegen wird, soll laut dem französischen Portal RMC Ronaldos neuer Klubtrainer bei Al-Nassr in Saudi-Arabien werden.
Und so dürfte Ronaldo am Dienstag (19.00 Uhr MESZ/ServusTV/ARD) gegen Usbekistan erneut in der Startelf stehen, obwohl er seit mittlerweile zehn Spielen bei WM und EM auf einen Turniertreffer wartet und gegen die Kongolesen nicht einen einzigen Schuss auf das Tor abgab. Dass er bei seiner sechsten WM jetzt liefern muss, dürfte ihm bei all seiner Erfahrung aber ebenso gewiss sein.