Nach mehr als eineinhalb Jahren in Geiselhaft gibt es neue Hoffnung für eine 75-jährige Österreicherin. Die Wienerin, die im Jänner 2025 in Niger entführt wurde, soll freikommen.
Das Außenministerium spricht jetzt von "ermutigenden Informationen" über das Schicksal der Frau, das berichtet der ORF. Gleichzeitig warnt das Ministerium davor, die Freilassung bereits als abgeschlossen zu betrachten: "Der komplexe und sehr gefährliche Prozess der Freilassung und Übergabe ist jedoch noch nicht positiv abgeschlossen."
Zuvor hatte es bereits Meldungen gegeben, wonach sowohl die Österreicherin als auch eine ebenfalls verschleppte Schweizerin freigelassen worden seien.
Das lokale Onlineportal Air-Info Agadez berief sich dabei auf "übereinstimmende Quellen". Eine offizielle Bestätigung für die Freilassung gebe es allerdings nicht, so der ORF.
Die beiden Frauen waren 2025 aus ihren Wohnungen in Agadez verschleppt worden. Die Österreicherin wurde im Jänner entführt, die Schweizerin im April.
Die 75-Jährige hatte vor ihrer Entführung beinahe drei Jahrzehnte in der Wüstenstadt am Rand der Sahara gelebt. Dort arbeitete sie als Kulturvermittlerin und engagierte sich unter anderem bei Bildungs- und Entwicklungsprojekten.
Agadez liegt nordöstlich der Hauptstadt Niamey. Trotz der Konflikte in der Region galt die Stadt lange als sicher.
Auch aus der Schweiz gibt es noch keine endgültige Bestätigung. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten erklärte, man kenne die Berichte über eine Freilassung der Schweizerin. "Entsprechende Abklärungen sind im Gang", hieß es.
Die Österreicherin war am 11. Jänner 2025 entführt worden. Lokale Medien berichteten damals, dass Kriminelle die Frau verschleppt und anschließend an eine terroristische Gruppe weitergegeben hätten.
Die islamistische Terrormiliz Dschamaat Nusrat al-Islam wa-l-Muslimin (JNIM), ein regionaler Ableger der al-Kaida, bestritt unmittelbar nach der Entführung eine Beteiligung. In der Region sind auch andere Gruppierungen aktiv, darunter ein Ableger des Islamischen Staats sowie Tuareg-Rebellen.
Berichten zufolge wurden die beiden Frauen im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali festgehalten.
Ende April des Vorjahres gab es ein Lebenszeichen der Wienerin. Air-Info Agadez berichtete damals über ein Foto der Entführten, das ausgerechnet an ihrem 74. Geburtstag das lokale Portal erreicht hatte.
Ihre Familie und das Außenministerium bemühten sich nach eigenen Angaben intensiv um eine Lösung. Der Sohn der Wienerin machte wiederholt öffentlich auf das Schicksal seiner Mutter aufmerksam und forderte mehr politischen und diplomatischen Einsatz.
Bereits nach der Entführung richtete das Außenministerium im Jänner 2025 einen Krisenstab ein. Seit dem Sommer des Vorjahres unterstützte auch Peter Launsky-Tieffenthal, Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers für globale Angelegenheiten, die Bemühungen. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) hatte ihn darum ersucht.
Launsky-Tieffenthal war bereits an mehreren Fällen rund um die Befreiung österreichischer Entführungsopfer beteiligt. Dazu zählen Fälle in Afghanistan, im Jemen und im Iran sowie die Salzburger Sahara-Geiseln. Auch bei der Befreiung des österreichisch-israelischen Doppelstaatsbürgers Tal Shoham aus dem Gazastreifen war er eingebunden.